KOSMOBERKH im Interview (1/2)

Nach acht Jahren kehren KOSMOBERKH mit „Troglobiten in Absonderlicht“, das am 06. November 2026 erscheint, zurück. Im Gespräch erzählt David Barteczko von seiner Wahlheimat Hannover, dem Gefühl, zwischen Sprachen und Identitäten aufzuwachsen, und von einem Album, das Erinnerungen, gesellschaftliche Beobachtungen und experimentelle Klangwelten miteinander verbindet. Es geht um Höhlenwesen, verlorene Diskotheken, die Kraft offener Kommunikation und darum, warum Musik trotz aller Veränderungen immer ihren Weg findet.

Orkus: David, du lebst heute in Hannover. Wie hat die Stadt dich und deine Musik verändert?
David Barteczko: In Hannover lebe ich seit etwa drei Jahren. Was ich mag, ist, dass in der Stadt Urbanes und Ländliches koexistieren. Koexistenz nicht unbedingt im Sinne von Nebeneinander, sondern eher als wechselseitiges Durchdringen und Zusammenwachsen. Das passt sehr gut zu meiner Musik, die zwar im Kern akustisch ist, in der akustische und elektronische Klänge aber Verbindungen eingehen und zu etwas Neuem zusammenwachsen. Genau diese Musik strebe ich an und empfinde ich als schön.

O: Dieses Gefühl des Zusammenwachsens zieht sich auch durch deine Texte. Spielt dabei der Begriff „Heimat“ eine besondere Rolle?
DB: Ich kenne Orte, die mir lieb und vertraut sind, in denen ich Nähe zulassen und mich öffnen kann. Aber eine Heimat im traditionellen Sinne habe ich nicht. Meine Eltern haben mit mir Polen verlassen, als ich zwei Jahre alt war. Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, dass ich nirgendwo hineinpasse. Ich habe mich schon immer als sprachlichen Dissidenten gesehen. Die eigene Stimme zu finden, ist ein Lebensthema für mich – und in meiner Musik spiegelt sich das wider. Ich mache keine Musik, die sich klar einem Genre verschreibt. Sie ist eine Suchbewegung.

O: Nach einer so langen Pause wieder Musik zu veröffentlichen, ist sicher kein spontaner Entschluss. Gab es einen Moment, der alles ins Rollen gebracht hat?
DB: Nach jahrelanger Pause bin ich 2024 als Support für die Band Extra Life aufgetreten. Eine großartige Band aus New York, die mich mit „Secular Works“ erreicht hat. Auf sie bin ich durch Toby Driver aufmerksam geworden, der dort Bass spielt. Als das Konzert feststand, hatte ich bereits eine Handvoll neuer Songs fertig. Begleitet wurde ich am Cello von Jann Michael Engel, der auch auf dem neuen Album zu hören ist. Für mich persönlich war das ein unvergesslicher Abend. Die unmittelbaren Reaktionen und der inspirierende Austausch haben mich definitiv motiviert, das Album fertigzustellen.

O: Der Albumtitel „Troglobiten in Absonderlicht“ klingt rätselhaft und zugleich sehr bildhaft. Wie ist dieses Motiv entstanden?
DB: Der Opener des Albums heißt „Fiz Oblon“. Das ist der Name der Diskothek, in der ich musikalisch sozialisiert wurde. Leider ist das Fiz 2008 abgebrannt. Das war ein krasser Einschnitt. Als ich während der Corona-Zeit von Bunkerpartys hörte, musste ich daran denken. Die Welt, in der Jugendliche heute aufwachsen, verdüstert sich: Klimawandel, Pandemie, Kriege, Extremismus, digitale Selbstauflösung. Das hat mich sehr beschäftigt. Alte Erinnerungen kamen auf. Im Fiz waren wir ein bunter Haufen, obwohl wir alle meistens schwarz trugen. Eine alte Freundin bezeichnete uns damals im Scherz als „Grottenolme“. Grottenolme sind Höhlenwesen, auch Troglobiten genannt. Bei einem Besuch einer Tropfsteinhöhle lernte ich später, dass sich Menschen den Tieren nur bei speziellem Licht nähern dürfen. Daraus entstand für mich die Verbindung zu dem absonderlichen Licht, in dessen Schein wir damals tanzten.

Jan Schütz (Meersein)

Wir setzen unser Interview demnächst fort.

Auch in unserer Oktober/November-Ausgabe sprechen wir mit KOSMOBERKH

Orkus! 0926

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