LIGHTSHIFTERS im Interview (1/2)

Das norwegisch-deutsche Duo von Lightshifters wurde 2012 in Lübeck gegründet. Seit Ende 2024 lebt das Paar in Norwegen und veröffentlicht jetzt ihre EP „All Life’s Absurdities“, in der Dark-Wave- und Synthpop-Elemente sich sinnlich miteinander vereinen. Lies hier den ersten Teil unseres Interviews.
Orkus: Fangen wir doch am Anfang an. Ihr arbeitet seit 2012 zusammen. – Könnte man das auch als Geburtsstunde von Lightshifters sehen?
Michael Pfirrmann: Wir haben uns damals über unsere Musikerprofile auf MySpace kennengelernt. Schnell kam es zu der Idee, einen Song gemeinsam zu schreiben, aber dann haben wir uns etwa ein halbes Jahr lang auch über alles Mögliche geschrieben. Eine sehr romantische Geschichte, denn wir hatten über dieses „Briefe Schreiben“ unseren jeweiligen Seelenverwandten gefunden. Mein erster Besuch in Norwegen war natürlich spannend, aber nach der ersten langen Umarmung am Flughafen haben wir uns direkt verlobt. Ein paar Monate später ist Marthe nach Lübeck gezogen und wir haben kurz darauf geheiratet. In Lübeck haben wir dann ab 2012 gemeinsam ein Studio betrieben. Unser Projekt Lightshifters lief während dieser Zeit leider immer nur nebenher. Wir merken nun aufgrund des großen Zuspruchs, den unsere neue EP erfährt, dass wir uns besser viel früher mal um unsere eigene Musik hätten kümmern sollen.
O: Wie kamt ihr auf den Bandnamen?
Marthe Borge-Lunde Pfirrmann: Unser erster Song hieß „Luminous“, der war übrigens damals schon auf der Orkus!-Compilation 83! Ich schrieb ihn als eine Metapher für eine sehr ferne unbekannte Liebe im Universum, die sich dennoch sehr nah und vertraut anfühlt. Der Name Lightshifters ist von diesem ersten Song und einem kosmologischen Fachbegriff inspiriert: Eine Lichtverschiebung, meistens spricht man von einer Rotverschiebung, tritt auf, wenn sich ein leuchtendes Objekt relativ zur Beobachterposition z. B. aufgrund der Expansion des Universums entfernt. Die Spektrallinien der Lichtquelle werden dann in Richtung der längeren Wellenlängen verschoben. Unser Gedanke war, dass es uns als Lightshifters doch möglich sein müsste, unsere Wellenlängen jederzeit mit Hilfe der Musik zu synchronisieren.
O: Wann und wie seid ihr erstmals mit Triphop in Verbindung gekommen?
Michael: Die Triphop-Einflüsse kommen wohl eher von meiner Seite. Ich mag die dunkle Atmosphäre und die groovigen, organischen Elemente in der Musik. Massive Attack zählen sicher zu meinen All-Time-Heroes. Wobei ich nicht behaupten würde, dass wir Triphop machen. Man findet halt in dem einen oder anderen Song Elemente, die vom Triphop inspiriert sind.
Marthe: Wenn ich Musik schreibe, denke ich auch nicht an ein bestimmtes Genre, sondern lasse mich vom Gefühl leiten und von Sounds inspirieren. Ich tendiere meistens zu melancholischen und mystischen Stimmungen, da liegt halt auch Triphop nicht allzu fern.
O: Und mit Dark Wave?
Michael: Naja, ich bin in den Achtzigerjahren wie so viele mit Depeche Mode und The Cure aufgewachsen. Dann kam Ecki Stieg mit seinen Grenzwellen, Anfang der Neunziger mein Umzug aus der Provinz zum Studium nach Hannover und die Clubnächte in der dortigen alternativen Szene. Für uns ganz faszinierend ist Marthes erste Berührung mit Dark Wave: Sie hatte Anfang der 2000er von einer Freundin, die in der Osloer Gothic-Szene aktiv war, ein Mixtape bekommen. Darauf war auch ein Titel von meiner damaligen Band Inscape, der ihr besonders gefiel: „Verbrannte Welt“ von unserem Album „Neonsonne“. Ich hatte die Musik für den Song geschrieben, was sie natürlich nicht wusste, als wir uns ca. zehn Jahre später kennenlernten. Zufall oder Schicksal, wer weiß? Everything is connected …
O: Lasst uns über die neue EP sprechen. Wie kam es zum Titel (oder der Erkenntnis): „All Life’s Absurdities“?
Michael: Der Titel ist eine Zeile aus dem Song „Absurdities“. Wir sind ganz zum Schluss auf ihn gekommen, als alle Tracks fertig waren. Er fasst ganz gut die doch recht unterschiedlichen Songs der EP zusammen, die schlicht fünf absurde Facetten des Lebens repräsentieren.
O: Erste Singleauskopplung war eben genau dieses kraftvolle Stück „Absurdities“. Gibt es eine Hintergrundgeschichte dazu?
Marthe: Ja, die gibt es schon. Der Song stellt die Frage, ob das Leben nicht einfach nur aus einer zufälligen Folge von Ereignissen besteht, was die Vorstellung eines sinnerfüllten Lebens ad absurdum führt. Wir haben einige Jahre mit sehr negativen Ereignissen hinter uns. Das Einschneidendste war, dass ich vor vier Jahren mit lebensbedrohlichen Symptomen ins Krankenhaus kam. Es stellte sich heraus, dass ich eine seltene Veranlagung habe und ich nicht sicher sein kann, dass die betreffenden Symptome wiederkommen. Der Song „Absurdities“ hat seinen Ursprung also in der Erfahrung des Kontrollverlusts über den Verlauf des eigenen Lebens.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Höre „All Life’s Absurdities“ auf Spotify:
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