DIE ANSTALT im Interview (2/2)

Photo: Kyriakos Tarassidis

Zwischen Aufbruch und Verdrängung, DIY-Kultur und schwindenden Freiräumen bewegt sich Die Anstalt durch das heutige Berlin. Die Hauptstadt prägt nicht nur den Sound des Trios, sondern auch dessen Haltung: gesellschaftlich wach, politisch aufmerksam und fest verwurzelt im Underground. In unserem zweiteiligen Interview geht es um Berlin als Lebensgefühl, persönliche und politische Texte, internationale Bühnenerfahrungen und die Frage, was von der ursprünglichen Unabhängigkeit bleibt, wenn aus der Anstalt längst mehr als ein Geheimtipp geworden ist. Lies den ersten Teil hier.

Haltung statt Businessplan

Dass Die Anstalt heute international tourt, hat ihren Blick auf die Musikszene verändert – ihre Wurzeln aber nicht. „Die Berliner Underground-Szene ist weiterhin unser Zuhause“, sagt Jakob. Früher wurden Konzerte selbst gebucht, Tapes aufgenommen, Shirts gedruckt und Tonträger verschickt. Heute arbeiten sie mit Milk Me und City Slang zusammen, bewusst mit Partnern, die ihre Unabhängigkeit respektieren. Die vielen Auftritte in Großbritannien haben die Band geprägt. Einen besseren Musikgeschmack sehen sie dort trotzdem nicht. Die Reaktionen des Publikums unterscheiden sich zwar, doch die Verbindung zwischen Bühne und Menschen sei in Manchester, London, Dublin oder Berlin dieselbe. Hier finden sie Kraft und Bestätigung, die Musik kann Grenzen leichter überwinden als vieles andere. Bleibt die vielleicht kürzeste Antwort des Interviews. Auf die Bitte, den Satz „Die Anstalt ist …“ zu vervollständigen, musste niemand lange überlegen: „Die Anstalt ist gut – hört sie euch an.“

Jan Schütz (Meersein)

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