YELLO im Interview (1/2)

Photo: Helen Sobiralski

Seit über 45 Jahren basteln Yello an ihrem ganz eigenen Verständnis von Zeit: Sounds werden archiviert, neu zusammengesetzt, verworfen und Jahre später wiederentdeckt. Auf „Time Lab“ wird Vergangenheit dabei nicht einfach wiederbelebt, sondern zum Ausgangspunkt für etwas Neues. Im Vordergrund steht aber vor allem die Zukunftsgewandtheit: „Die Frischheit der letzten Alben beruhen immer auf Errungenschaften des Neuen“, erklärt Boris Blank. Wir sprechen mit ihm in zwei Teilen über alte Bänder, vergessene Songs und die besondere Zeitlosigkeit eines Projekts, das nie müde wird, nach neuen Klängen zu jagen.

Zeitreise

„Wenn ich unsere Songs seit 1979 durchhöre, stelle ich jeweils fest, dass es wenige Stücke gibt, die ich nicht mehr hören kann, weil sie zeitgebunden sind. Die meisten sind schon fast zeitlos, auch wenn das ein bisschen vermessen klingt, wenn ich das selber sage.“ Wir können ihm aber nur zustimmen, und so wohnt auch dem neuen Album „Time Lab“ eine gewisse Zeitlosigkeit inne. Gerade auf diesem Album könne man das Sprichwort „To the future, through the past“ anwenden, erklärt Blank, denn einige Stücke darauf hätten eine lange Geschichte. Zum Beispiel die erste Single „Around the Sun“, die um 1981 entstand. „Gesang und Musik haben mir nicht behagt, so hat es keinen Platz auf der zweiten Yello-LP. Die Bänder wurden jetzt digitalisiert. Dabei habe ich den Gesang neu entdeckt und die Musik neu arrangiert.“

Klangbibliothek im Kopf

Wie kann man sich die Arbeitsweise des Klangtüftlers vorstellen? „Dieter sagt manchmal, dass ich eher ein Klangmaler bin. Und ich bin ein Jäger und Sammler von Klängen. Ich habe eine riesige ‚Bibliothek‘ an Klängen. Viele Ordner, voll von Klangfragmenten, Patterns, die ich mal bearbeitet habe und wie ein Eichhörnchen, das Nüsse vergräbt, in diesen Ordnern horte.“ Wenn er an einem Stück arbeite, greife er auf diese Klänge zurück: „Ich fange an wie ein Maler auf einer leeren Leinwand mit einer Idee, einem Sound, der mir gut gefällt, und dann puzzle ich die einzelnen Elemente zusammen, bis eine Kontur entsteht, nach der ich mich auf diese Reise begebe und entdecke, wohin das Stück letztlich gehen könnte. Was da entsteht, ist jedes Mal eine Überraschung.“

Wie Fernschachspielen

Drei Stücke werden auf „Time Lab“ von Gastsängerinnen gesungen. Sänger Dieter hatte das Gefühl, dass es eher feminine Lieder seien, die entsprechend eine Frauenstimme bräuchten. So passt die warme Stimme von Heidi Happy perfekt für „You and Me“ und „Beautiful You“. „Ich stehe immer noch im Kontakt zu ihr, das ist wie Fernschachspielen. Ich schicke ihr den ersten Zug, sie mir die Stimme und ich mache daraus ein Stück. Am Schluss tragen wir ihre Stimme ins Reine, die Studioaufnahmen finden bei mir statt. Aber vorher hat sie freie Hand gehabt und konnte ihrer Fantasie freien Lauf lassen.“ Auch der Text stammt von ihr. Ebenso textete Malia „Dancing Flame“ selbst. Mit ihr hatte Boris bereits zusammengearbeitet, und als er sie fragte, ob sie Lust auf ein weiteres Stück hätte, war sie sofort Feuer und Flamme. „Es ist eine sehr organische, unkomplizierte Verbindung.“

Claudia Zinn-Zinnenburg

In Kürze setzen wir unser Interview fort.

Erfahre mehr über Yello in unserer Oktober/November-Ausgabe.

Orkus! 0926

Die Oktober/November-Ausgabe bestellen:

Höre Yello in unserer „Current Issue“-Playlist auf Spotify:

Schon unseren Newsletter abonniert?

Hier kannst Du das gedruckte Orkus!-Magazin abonnieren: