So war es bei SKYND

30. April 2026, Wien, Szene
„Ist es nicht makaber, dass wir tanzen?“
Donnerstagabend, Wien, und die Location war gesteckt voll. In den Zuschauerreihen vernahm man verschiedene Akzente und Sprachen. Doch nicht nur Angereiste aus dem Ausland fanden sich an dem Abend ein, sondern ein gut durchmischtes Publikum. Das True-Crime-Konzept zog die gesamte alternative Palette von Metal-Fans bis Goths an.
Die Stimmung im Raum kribbelte. Die Lichter erloschen. Dröhnend erschall das Intro, während der SKYND-Schriftzug in roten Lettern die Bühne zierte. Nebel stieg hinter dem Schlagzeug auf. Die Gespräche im Raum verstummten und erst als die drei Musiker die Bühne betraten, entbrannte Applaus in den Zuschauerreihen. Keine Vorband. Keine Ansagen. Keine Worte der Begrüßung.
Das Intro verebbte und ging über in den ersten Song „Michelle Carter“. Düstere Stimmung durchwirkte den ganzen Raum. Sängerin Skynds Performance blieb gekonnt distanziert. Mit theatralischem Make-up, schwingenden Armen und starrer Haltung. Doch der wahre Tanz ereignete sich in ihren Gesichtszügen. Flankiert wurde sie von den beiden maskierten Musikern, die eins wurden mit Licht und Nebel. Auch nach dem ersten Song gab es keine Ansprache und das sollte sich bis zum Ende des Abends nicht ändern. Was SKYND präsentierten, war eine Gesamtdarbietung ihres True-Crime-Konzeptes. Zwischen den Stücken echoten inhaltlich passende Tonspuren durch die Location, die jene Szenarien, die in den Songs behandelt wurden, thematisierten.
Doch trotz der Schwere der Inhalte, die in Stücken wie „Ed Kemper“, „Robert Hansen“ oder „Columbine“ behandelt wurden, trieben die verschwörerische Performance der Künstler und die treibenden Rhythmen das Publikum zum Tanzen, Mitsingen und Feiern an. Erst am Ende der Performance schälten die Künstler sich aus ihren Rollen und antworteten dem jubilierenden Publikum mit dankbarem Lächeln, Luftküssen und Worten der Wertschätzung.
Zurück blieben angeregte Gespräche über die Schwere der Weltgeschichte, die Abgründe der menschlichen Psyche und die Frage, ob es nicht makaber sei, während eines SKYND-Konzertes zu tanzen. Und genau das rundete den Abend ab, denn was SKYND mit ihrem Konzept anstößt, ist es, nicht wegzusehen, sondern dem Grauen ins Antlitz zu stieren und darüber zu reden. Ebenso wie die Taten der behandelten Serienmörder wird auch dieser Abend nicht so schnell in Vergessenheit geraten.
Text & Photos: Gina Riot.
Setlist: „Michelle Carter“ • „Elisa Lam“ • „Tamara Samsonova“ • „Andrei Chikatilo“ • „Armin Meiwes“ • „John Wayne Gacy“ • „Ed Kemper“ • „Richard Ramirez“ • „Robert Hansen“ • „Bianca Devins“ • „Jimmy Savile“ • „Mary Bell“ • „Aileen Wuornos“ • „Columbine“ • „Heavens Gate“ • „Jim Jones“ • „Gary Heidnik“ • „Tyler Hadley“ • „Mikhail Popkov“
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