THE TRUE UNION im Interview

Wahrgewordener Traum statt einschläfernd, das Debütalbum von The True Union „Sleepwalk“ hat Himmel und Hölle in sich.
Vorwärts?!
„Ich jagte ihr einen höllischen Schrecken ein“, erinnert sich Azul Far an die Worte ihrer Mutter dazu, als sie einmal mit etwa vier Jahren schlafgewandelt war. Zur Entstehungszeit des Albums durchlebte Azul eine Phase schweren Schlafmangels, funktionierte praktisch auf Autopilot. „Ich war nicht ganz wach, schlief aber auch nicht richtig.“ Auf seltsame Weise machte sie das aber noch hartnäckiger und entschlossener. Schlafwandeln begann „zugleich Abhängigkeit, Erschöpfung, Obsession und Ausdauer“ zu repräsentieren. Es entstand kein Konzeptalbum, aber die Idee, in einem nur „halbbewussten“ Zustand durch das Leben zu gehen, tauchte immer wieder auf. Eine ernste Rückenverletzung, Medikation, nicht trainieren zu können und so einen Ausgleich zu verlieren waren weitere Herausforderungen, welche diese Zeit prägten. Daraus entstand auch neues Verstehen und ein Werk, das Stolz verdient hat.
Gott & Teufel
Azul zeigt einen differenzierten Blick auf diese Thematik, auch außerhalb der Kunst. In einen Song können etwa biblische Bezüge ihren Weg finden, schlicht, weil sie zur Stimmung passen, oder beispielsweise, weil sie als Erinnerung an jene Dualität dienen, die wir alle erleben: „Gut und Böse, Versuchung und Erlösung, Glaube und Zweifel.“ Keinerlei Zweifel gab es etwa an Intensität, Tempo und Vocals von „Fallen“, nur „jeder Übergang fühlte sich an, wie in eine Betonwand zu laufen.“ Akzeptanz und zweckdienliche Haltung zu Perfektion überwanden diese Hürde schließlich.
Zusage & Zuspruch
Die Geschichte, wie es zu den Gastbeiträgen in „Internal War“ kam, reicht bis in Azuls Teenagerjahre zurück, inklusiver einer Begegnung mit etwa 15 Jahren. Seitdem ereignete sich einiges. Die Kollaboration bescherte Azul Far einen „dieser surrealen Momente, wo man innehält und denkt: ‚Moment … das geschieht wirklich.‘“ Sie schätzt besonders, dass diese Künstler sich die Zeit nahmen, ihre Musik zu hören „lange bevor ich eine EP, ein Label oder irgendeine richtige Präsenz in der Branche hatte. Ich war im Grunde ein Niemand. Der Fakt, dass sie zuhörten, an das glaubten, was ich tat, und ihre Talente beitrugen“, bestärkte Azul enorm. „Dafür werde ich immer dankbar sein.“
Martina Wutscher
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