DEKAD im Interview (1/2)

Dekad wurde in Frankreich im Jahr 2000 ursprünglich als Quartett gegründet. Das erste Album „Sin_Lab“ erschien 2005, zwei Jahre später das zweite „Confidential Tears“. Es folgte eine Pause, bis 2009 Jean-Benoît Lacassagne das Projekt alleine wieder auferstehen ließ. Wir sprechen in zwei Teilen über das neue Album „A Distorted View“.

Orkus: Wie kamt ihr auf den Namen Dekad?
Jean-Benoît Lacassagne: Soweit ich mich erinnere, suchten wir nach etwas Einfachem, das Raum für Interpretationen lässt. „Dekad“ weckt natürlich die Assoziation eines Jahrzehnts, kann aber auch Verfall oder den Lauf der Zeit andeuten. Rückblickend ist es lustig, denn die Band existiert inzwischen deutlich länger als ein einziges Jahrzehnt, und trotzdem fühlt sich der Name immer noch passend an. Er steht für Veränderung, Entwicklung und die Tatsache, dass nichts für immer gleich bleibt.

O: Bleiben wir beim Thema Namen: Wie seid ihr auf den Albumtitel „A Distorted View“ gekommen? Inwiefern sind diese Sichtweisen verzerrt?
JBL: Der Titel entstand aus der Überlegung, dass niemand von uns die Realität vollkommen objektiv wahrnimmt. Unsere Wahrnehmung wird von unseren Emotionen, Überzeugungen und den Informationen geprägt, die wir konsumieren. Diese Verzerrung kann durch Angst, Verlangen, Technologie, Ideologie oder einfach dadurch entstehen, dass wir Menschen sind. Das Album beschäftigt sich mit diesen unterschiedlichen Filtern, durch die wir uns selbst und die Welt um uns herum betrachten.

O: Das Album startet mit einem regelrechten Energieschub in Form von „Adrenaline“. Steckt eine besondere Geschichte dahinter?
JBL: „Adrenaline“ handelt von jenen Momenten, in denen der Instinkt die Kontrolle übernimmt. Ob Aufregung, Gefahr oder Konfrontation – es gibt Situationen, in denen die reine Reaktion die Führung übernimmt. Adrenalin ist etwas Universelles. Es kann uns retten, motivieren oder auch dazu bringen, Fehler zu machen. Ich wollte das Album mit diesem Energieschub eröffnen, bevor es sich in nachdenklichere Gefilde bewegt.

O: Besonders fesselnd ist „Welcome to My Nightmare“, wo es beispielsweise heißt: „the world of twisted dreams, where the sun never shines“ … Wie bist du auf diese düsteren Texte gekommen?
JBL: Die verborgenen Bereiche der menschlichen Psyche haben mich schon immer fasziniert. Die Künstler, die ich schätze, haben mir gezeigt, dass Dunkelheit poetisch und bedeutungsvoll sein kann und nicht zwangsläufig pessimistisch sein muss. Der Song handelt eigentlich nicht von Albträumen selbst, sondern von den mentalen Räumen, die wir durch Angst, Besessenheit, Zweifel oder unverarbeitete Emotionen erschaffen. Düstere Bilder können oft Dinge ausdrücken, die sich nur schwer direkt beschreiben lassen. Der Albtraum wird dabei zur Metapher für unsere inneren Kämpfe.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Wir setzen das Interview in Kürze fort.

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