PAPILLON DE NUIT im Interview (2/2)

Papillon de Nuit

Manchmal entstehen Alben aus einem Moment, in dem das Leben plötzlich innehält. „Musetta“, das Debüt von Papillon de Nuit, ist so ein Werk – geboren aus persönlicher Unsicherheit, Dunkelheit und bemerkenswerter Klarheit. Was als Soloprojekt von Stephen Kennedy begann, wuchs schnell über sich hinaus. „Ursprünglich wollte ich nur drei Songs als eine Art persönliche Katharsis schreiben und aufnehmen“, erzählt er. Doch die Ideen wurden größer, „ausladender und eigenwilliger“ – und Kennedy wusste: „Es war Zeit, daraus ein Kollektiv zu machen.“ Mehr erfährst Du im zweiten Teil unseres Interviews. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, hier kannst Du ihn nachlesen.

„Jude“ – die eigene Endlichkeit

Besonders eindringlich ist „Jude“. Der Song entstand, nachdem Kennedy mit einem Hirntumor diagnostiziert wurde und für kurze Zeit glauben musste, nur noch wenige Monate zu leben. „Ich musste der sehr realen Möglichkeit ins Auge sehen, dass meine Zeit sehr, sehr kurz sein könnte.“ Überraschend war seine eigene Reaktion: „Keine Wut, keine Angst. Nur eine sanfte Melancholie.“ Aus diesem Moment wurde Musik. „Wie ein sehr kraftvoller Tagebucheintrag.“ Genau das macht „Jude“ so bewegend: kein dramatischer Abschied, eher stille Akzeptanz.

Ein Album zwischen Schönheit und Unbehagen

Viele Songs auf „Musetta“ führen in Richtung Vergänglichkeit, ohne vom Tod selbst zu handeln. „Diese Lieder sind Momentaufnahmen von Reisen, die sich nicht mehr verändern können.“ Auch „Frozen Charlotte“, inspiriert von einer düsteren viktorianischen Legende, erzählt davon. Wie Kennedy selbst sein Album beschreibt? „Wie das Innere einer sepiafarbenen Fotografie – mit Knicken, fehlenden Ecken und einer geheimnisvollen Wärme. Ein Ort, den man sehen möchte und der einen zugleich unruhig macht.“ Genau so klingt „Musetta“: wie ein Schatten, der nicht bedrohlich wirkt, sondern tröstlich. Ein Debüt, das Dunkelheit fühlbar macht.

Jan Schütz (Meersein)

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