RAIN DIARY im Interview (2/2)

Photo: Jani Saajanaho

Rain Diary veröffentlichten ihr erstes Album „The Lights Are Violent Here“ 2013. Die finnische Band selbst bezeichnet ihre Musik als „Winter Wave“. Wir setzen das Interview mit Joonas und Joni fort und sprechen über ihr drittes Album „Night Church“. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem! Du kannst ihn hier nachlesen.

Orkus: Ihr lebt in Finnland. Inwieweit würdet ihr sagen, dass diese Tatsache Rain Diary in gewisser Weise geprägt hat … Schließlich beschreibt ihr euren Musikstil als „Winter Wave“. – Könnte es da einen Zusammenhang geben?
Joonas Verho: Man hört das musikalische Erbe unserer eher düsteren Musikszene heraus, die schon immer von der manchmal rauen, aber immer so wunderschönen finnischen Natur beeinflusst wurde. Es ist schwer, unser Genre als Rock, Pop oder Dark Wave zu beschreiben, daher erschien es uns sinnvoll, unsere charakteristische Landschaft mit einzubeziehen.

O: Ist der Winter deine Lieblingsjahreszeit?
Joni Bitter: Alle Jahreszeiten sind inspirierend und auf ihre eigene Weise wunderschön: Der Sommer steht für pure Liebe und Leidenschaft, der Herbst spiegelt Sehnsucht wider, der Winter ist die Stille, und der Frühling lässt die Hoffnung aufkeimen. Aber ich liebe einfach die Sauna und das Nacktbaden in zugefrorenen Seen (da fühlt man sich so lebendig!!), also ja, der Winter wäre meine Wahl.

O: Es gibt natürlich Klischees über jedes Land. Welche Klischees über Finnen treffen deiner Meinung nach tatsächlich zu? … Zum Beispiel: ständige Saunabesuche, Schweigsamkeit, Naturverbundenheit, Melancholie, die aufgrund der ewigen Dunkelheit schon fast an Depression grenzt …
JV: Diese Klischees sind alle irgendwie wahr. Ich persönlich liebe die Sauna, und es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich jeden Tag hingegangen bin. Die Verbindung zur Natur – und einfach die Stille dort zu genießen – ist unglaublich heilsam und entspannend. Und du könntest mit deiner Beobachtung eines leichten Gefühls der Melancholie in unserer Nation als Ganzes durchaus richtig liegen, wahrscheinlich wegen der langen Dunkelphasen jedes Jahr. Ich habe das Gefühl, dass wir im Sommer erst richtig aufleben, und wenn der Winter kommt, ziehen wir uns in unser eigenes Schneckenhaus zurück. Aber diese ruhigeren, dunkleren Zeiten scheinen auch die zu sein, in denen wir unsere tiefste Inspiration für Musik und Kunst finden.

O: „Damaged“ ist besonders bewegend, damit können sich sicher viele Menschen identifizieren. Was hat den Song inspiriert?
JV: Schön zu hören! Mir gefällt die Botschaft von „Damaged“ auch sehr gut. Der Song erzählt die Geschichte einer verletzten Person, die einen großen Teil ihrer emotionalen Seite vergessen hat und im Grunde um Hilfe bittet, um sie wieder zum Leben zu erwecken. Diese Person ist sich, zumindest aus ihrer eigenen Sicht, ihrer Unzulänglichkeiten als Mensch sehr bewusst und gibt offen zu, dass ihre Anwesenheit tendenziell mehr nimmt als sie gibt. Ich glaube, das ist ein Gefühl, das viele Menschen manchmal nachempfinden können, weshalb die Botschaft wahrscheinlich bei so vielen Menschen so stark nachhallt.

O: Inspiriert von „End of the World“: Wie würdest du deinen letzten Tag auf der Erde verbringen?
JB: Oh mein Gott… Ich würde mich mit meinen Liebsten in einer Sommerhütte versammeln, die Sauna anheizen, ein Bier öffnen, die Akustikgitarren zücken und die Melodien herausspielen, die sonst in mir sterben würden.

O: Das Album endet mit dem epischen Titel „All the Love Will Fade Away“. Warum war es euch wichtig, den Song ungeachtet seiner Länge vollständig spielen zu lassen?
JB: Ursprünglich hatten wir die Idee für ein Album mit zehn Songs, aber als das Ganze fertig war, hatten wir das Gefühl, dass dem Album noch das letzte Puzzlestück fehlte, das das Ganze perfekt machen würde. Die Länge des Songs schafft ein Gleichgewicht zu den Pop-Strukturen der anderen Songs (abgesehen von „Run & Shout“) und sorgt dafür, dass sich die Botschaft in den Ohren der Zuhörer festsetzt. So wie jedes Album sein Ende hat, wird auch all die Liebe irgendwann verblassen.

Claudia Zinn-Zinnenburg

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Line-up:
Joonas Verho – Gesang
Tytti Toppari-Pellikainen – Keyboard, Gesang
Teemu Rantanen – Gitarre
Joni Bitter – Bass, Gitarre, Programmierung
Lauri Kujasalo – Schlagzeug

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