So war es bei ROCK AM RING 2026 mit BAD OMENS, VOLBEAT, ELECTRIC CALLBOY, ICE NINE KILLS u.v.m. (Teil 2/3)

Rock am Ring
05.–07.06.2026, Nürburgring
Samstag: Ein Gefühl, das verbindet – Die Magie der Gemeinschaft
Nach einer kurzen Nacht richteten sich auch am Samstag die ersten Blicke gen Himmel. Regenschutz blieb wohl besser griffbereit – letztlich spielte das Wetter an diesem Tag jedoch nur eine Nebenrolle. Viel prägender war einmal mehr das Miteinander. Direkt vor einer Bühne kehrte ein Besucher mit Getränken zurück und stellte sich, ohne es zu bemerken, vor eine deutlich kleinere Frau. Ein anderer Festivalgast tippte ihm freundlich auf die Schulter und machte ihn darauf aufmerksam. Der Mann entschuldigte sich sofort, ließ sie direkt nach vorne und lachend wechselten alle ein paar nette Worte, bevor sie gemeinsam weiterfeierten. Eine unscheinbare Szene, die vermutlich viele gar nicht bemerkt hätten – und die doch so viel über Rock am Ring erzählt. Den Auftakt auf der Orbit Stage bestritten die US-amerikanischen Post-Hardcore-Veteranen LetLive. Frontmann Jason Aalon Butler, vielen auch als Sänger von Fever 333 bekannt, schien es kaum auf der Bühne zu halten. Mit weiten Sprüngen und einem Ausflug mitten in den Pit machte er das Publikum vom ersten Moment an zum Teil der Show.
Rock’n’Roll zum Greifen nah
Mit The Pretty Reckless zog New Yorker Rock’n’Roll auf Hauptbühne. Frontfrau Taylor Momsen erschien in schweren Boots, Lederjacke, Netzstrümpfen und einem schwarzen Negligé. Smokey Eyes, unzählige Ketten und ihre ungezähmte Rock’n’Roll-Attitüde machten deutlich, wer hier das Sagen hatte. Mit ihrer markanten, rauchigen Stimme verlieh sie „Death By Rock and Roll“ und „Follow Me Down“ die nötige Wucht, während sie ihr Haar wild schüttelte, sich mit neckischen Blicken zur Menge drehte und ihre Bewegungen immer wieder bewusst sinnlich andeutete, ohne dabei ihre rockige Ausstrahlung zu verlieren. „Rock am Ring, how are you guys doing? We have a new album coming out. It’s called ‚Dear God‘. It’ll be available on June 26th“, kündigte Momsen das kommende Album an, bevor die neuen Songs „For I Am Death“ und „When I Wake Up“ schon überraschend gut beim Publikum ankamen. „Witches Burn“ widmete sie „all of the women“, ehe sie zu „Going to Hell“ an die Absperrung hinunterging und den Fans dort für einen Moment ganz nah kam.
Was wirklich zählt
Ein paar Regentropfen sorgten zwar kurzzeitig für Ponchos, verschwanden jedoch ebenso schnell wieder. Stattdessen übernahmen Bury Tomorrow die Mandora Stage. Bereits bei dem Track „Boltcutter“, den Dani Winter-Bates kniend und mit voller Hingabe performte, wurde deutlich, wie intensiv der Frontmann jede Zeile lebte. Besonders eindringlich wurde es zwischen den Songs. Der Engländer erinnerte daran, dass Metal und Hardcore ein sicherer Ort für alle sein sollten – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität. Statt sich spalten zu lassen, gelte es, das zu feiern, was Menschen verbindet. Worte, die an diesem Wochenende kaum treffender hätten gewählt werden können. Mit „Yokai“ verwandelte sich das Infield anschließend in ein Meer aus springenden Menschen und Feuerfontänen. Bei „Black Flame“ forderte der Sänger unzählige Crowdsurfer und begrüßte sie an am Fotograben mit High-Fives. Sein Blick fiel schließlich auf ein junges Mädchen auf den Schultern eines Erwachsenen. „How old are you?“, fragte er. „Eight.“ – „You’re amazing. You’re the next generation“, antwortete er mit einem Lächeln, bevor Bury Tomorrow mit „Death (Even Colder)“ einen würdigen Schlusspunkt setzten.
Auf der Überholspur
Landmvrks gehören zu den Bands, die in den vergangenen zwei Jahren einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben. Nach ihrer Ring-Premiere auf der dritten Bühne im Jahr 2024 präsentierten sich die Franzosen nun auf der Mandora Stage – und wirkten dort wie selbstverständlich zu Hause. Ihr aktuelles Album „The Darkest Place I’ve Ever Been“ verleiht ihrem ohnehin brachialen Metalcore noch mehr Atmosphäre, Dynamik und große Melodien, ohne dabei an Härte einzubüßen. Flankiert von zwei riesigen, römischen Figuren – angelehnt an das Albumcover – eröffneten Landmvrks mit „Creature“ kompromisslos ihren Auftritt. Frontmann Florent Salfati nutzte jede Ecke der Bühne, während Crowdsurfer, Circle Pits und die ersten Moshpits nicht lange auf sich warten ließen. „We are so happy to be back here“, freute sich der Sänger, bevor mit „Blistering“, „A Line in the Dust“ und „Sulfur“ vor allem das neue Material eindrucksvoll bewies, warum derzeit kaum ein Weg an den Franzosen vorbeiführt.. Passend zum urbanen Charakter der Band griff Florent vor „Sombre 16“ kurzerhand zur Spraydose und verewigte das markante „V“ des aktuellen Albums als Graffiti auf einer schwarzen Leinwand. Eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Aktion, die den Streetstyle der Franzosen perfekt unterstrich. Spektakulär wurde es, als Florent vor „Sombre 16“ kurzerhand eine schwarze Leinwand mit dem markanten „V“ besprühte, das längst zu einem Erkennungszeichen des aktuellen Albums geworden ist. Wenig später sorgte Marc Zelli von Paleface Swiss bei „Say No Word“ für zusätzliche Energie. Während Regen und Sonnenschein gleichzeitig aufeinandertrafen, spannte sich ein vollständiger Regenbogen über das Publikum. Als nach dem vorherigen Song noch immer Crowdsurfer über die Menge getragen wurden, konnte sich der Fronter ein Lachen nicht verkneifen: „Everyone is ok? I see some crowdsurfers. The song is over!“ Anschließend kündigte er mit „Suffocate“ bewusst einen ruhigeren Moment an. Zunächst nur von einer Akustikgitarre getragen, lud der Song die Ringrocker zum gemeinsamen Mitsingen ein, ehe die Band nach und nach wieder einstieg und den Auftritt mit voller Wucht zu Ende führte.
Nichts ist vorhersehbar
Wer Ice Nine Kills erlebt, besucht weit mehr als ein Konzert. Die US-Amerikaner verwandelten die Mandora in ein blutiges Horrorkabinett, in dem nahezu jeder Song zu einer eigenen Filmszene wurde. Kaum war Hannibal Lecter aufgetaucht und hatte einen Polizisten attackiert, rückte bei „Meat & Greet“ ein Schlachter mit Ziegenkopf und Kettensäge an. Funken sprühten, Kunstblut floss und Frontmann Spencer Charnas schlüpfte scheinbar mühelos von einer Rolle in die nächste. Auch danach nahm das makabre Schauspiel kein Ende. Während bei „The Laugh Track“ Geldscheine durch die Luft flogen, wurde bei „The Shower Scene“ die berühmte Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ nachgestellt. Und Ice Nine Kills überraschten mit einem unerwarteten Gast: Alissa White-Gluz enterte für „Twisting the Knife“ die Bühne, obwohl sie an diesem Wochenende gar nicht Teil des Festival-Line-ups war. Gemeinsam mit Art the Clown setzte die Band ihre makabre Horrorinszenierung fort, die in einer ebenso blutigen wie eindrucksvollen Szene gipfelte, als der Horrorclown seinem Opfer das noch schlagende Herz aus der Brust riss.
Die Party kennt keine Regeln
Kaum eine Band verkörpert die Entwicklung von Rock am Ring so sehr wie Electric Callboy. Bereits drei Jahre nach ihrer Gründung standen die Castrop-Rauxeler – damals noch unter dem alten Bandnamen – erstmals auf einer Ringbühne. Nun blickten sie auf ein Infield, das schon zu Beginn ihres Auftritts die Ausmaße eines Headliners erreichte. Entsprechend emotional fiel ihre Ansage aus: Schon als kleine Jungs hätten sie davon geträumt, einmal genau hier auf der großen Bühne zu stehen. Nach einem lauten Knall stürmte die Band in metallicblauen Steppwesten im Spacelook auf die Bühne, die wenig später kurzerhand vom Leib gerissen wurden. Mit „Tanzneid“ lieferten Electric Callboy zugleich einen ersten Vorgeschmack auf ihr im August erscheinendes Album. Metalcore traf auf Eurodance der Neunziger, brachiale Breakdowns auf tanzbare Disco-Beats. „Ihr Leute seht aus, als wenn ihr ein geiles Workout braucht“, lachte die Band, bevor sich das gesamte Infield in eine riesige Fitness- und Tanzfläche verwandelte. „Schnappt euch einen Partner oder eine Partnerin – wir tanzen jetzt Discofox“, forderte die Band zu „Hurrikan“ auf, ehe das gesamte Infield zwischen Discofox, Ruderaktionen, wildem Gehüpfe und ausgelassenem Chaos zu einer einzigen Party verschmolz. Jeder Pit präsentierte gefühlt etwas anderes – und doch hatten alle gemeinsam Spaß. „Hypa Hypa“, „Pump It“ und „MC Thunder“ zündeten die nächste Eskalationsstufe. Mit „Revery“ kehrte ein Augenblick der Ruhe ein. Blaue Flammen, Klavier, Akustikgitarre und tausende Handylichter verliehen „Everytime We Touch“ eine beinahe magische Atmosphäre. Fans lagen sich in den Armen, andere absolvierten Liegestütze im Pit. Lange hielt die Besinnlichkeit allerdings nicht an. Mit der erst am Vortag veröffentlichten The-Offspring-Kollaboration „Let the Good Times Roll“ nahm die Party sofort wieder Fahrt auf, ehe Electric Callboy mit „RATATATA“, „Spaceman“ und „We Got the Moves“ den Nürburgring in einen riesigen Ausnahmezustand versetzten.
Gegen den Strom
Nach dem kollektiven Ausnahmezustand bei Electric Callboy wartete auf Volbeat keine leichte Aufgabe. Die Dänen begegneten dieser Herausforderung jedoch auf ihre eigene Art. Statt auf eine aufwendige Inszenierung setzte die Band auf eine schnörkellose Rockshow. Bis auf das Band-Logo auf den Leinwänden blieb das Bühnenbild bewusst reduziert, während Frontmann Michael Poulsen im blauen Rennsport-Trikot die Utopia Stage betrat. „The Mirror and the Ripper“ eröffnete den Auftritt mit den Worten: „Rock am Ring, you bring the fucking noise.“ Mit „Demonic Depression“, „By a Monster’s Hand“ und dem sperrig betitelten „In the Barn of the Goat Giving Birth to Satan’s Spawn in a Dying World of Doom“ präsentierten Volbeat gleich drei Stücke ihres aktuellen Albums „God of Angels Trust“. Das neue Material schlägt hörbar härtere Töne an und beschäftigt sich mit inneren Kämpfen, Erlösung und Hoffnung. Dennoch reihten sich die Songs nahtlos zwischen die zahlreichen Klassiker ein. Genau darin liegt seit jeher eine der größten Stärken von Volbeat: Michael Poulsen verbindet Metal, Rock’n’Roll, Country und Blues zu eingängigen Hymnen, die ebenso selbstverständlich mitgesungen werden wie die größten Publikumslieblinge der Band. Mit einem schelmischen Grinsen ließ er die Menge sogar den kompletten Titel von „In the Barn of the Goat Giving Birth to Satan’s Spawn in a Dying World of Doom“ üben. „Serious stuff“, kommentierte er trocken, ehe der Brecher mit gewaltigen Riffs und stampfendem Groove über den Nürburgring hereinbrach. Amüsant wurde es, als der Fronter mit der Akustikgitarre auf den Laufsteg trat und augenzwinkernd erklärte, man reise nun zurück in eine Zeit ohne soziale Medien – „no TikToks, or Facebook, or Instagram, Ding Dong, or Flip Flop – just good rocking chairs and vinyls with Johnny Cash.“ Gemeinsam sangen die Ringrocker den kurzen Ausflug zu „Ring of Fire“, ehe der Frontmann bei „Sad Man’s Tongue“ lachend gestand, den Song kurzerhand von Johnny Cash „geklaut“ zu haben.
Ein Herz am rechten Fleck
Liebevoll bedankte sich Michael für die jahrzehntelange Unterstützung der deutschen Fans und erinnerte daran, dass Deutschland Volbeat bereits seit den ersten Demos begleitet habe. Emotional wurde es mit „Fallen“, jenem Song, den der Sänger seinem verstorbenen Vater, sowie allen Menschen widmete, die einen geliebten Menschen verloren haben. „For Evigt“ richtete er an seine Frau und seine Kinder – die vermutlich gerade im Tourbus hinter der Bühne schliefen – und an das Publikum. „Alright, let’s wake my kids up“, scherzte er, während Handylichter das Infield erleuchteten. Der Song über Erinnerung, Vergänglichkeit und die Hoffnung, dass Liebe und Verbundenheit den Tod überdauern können, entwickelte sich zu einem der schönsten Mitsingmomente des Sets. Ganz rund verlief der Auftritt allerdings nicht. Kleinere Soundprobleme und eine stellenweise etwas routiniert wirkende Performance ließen den Funken nicht bei jedem überspringen. Doch wenn Zehntausende selbst die dänischen Zeilen von „For Evigt“ mitsingen, wird deutlich, warum Volbeat seit Jahren ihren festen Platz auf den größten Festivalbühnen Europas haben.
Die Ruhe im Sturm
Anhaltender Nieselregen begleitete die mehr als einstündige Umbaupause vor der Mandora Stage. Währenddessen halfen sich die Ringrocker untereinander liebevoll beim Überziehen ihrer Ponchos. Kaum eine Band wurde an diesem Samstag sehnsüchtiger erwartet als Bad Omens. Nach der Absage ihrer Frühjahrstour und ihres Auftritts bei Rock am Ring im Jahr 2024 war nun ihr großer Moment am Nürburgring gekommen. Um 0.30 Uhr herrschte vollkommende Stille. Zu den melancholischen Pianoklängen von „Specter“ stand Noah Sebastian allein im Lichtkegel. Nebel umhüllte seine Beine und seine Stimme schwebte glasklar über das Infield. Mit den Zeilen „Because I’ve kept my distance, it just made it worse“ sank er langsam auf die Knie. Zusammen mit einem markerschütternden Schrei offenbarte sich das gesamte Bühnenbild. Über ihm erwachte eine monumentale Konstruktion aus schwebenden LED-Dreiecken zum Leben. Bewegte Visuals, Nebelsäulen, Licht und eine im weiteren Verlauf immer wieder eingesetzte, spektakuläre Lasershow verschmolzen zu einer der eindrucksvollsten Produktionen des gesamten Wochenendes. Und doch geriet all das beinahe in den Hintergrund. Sämtliche Blicke ruhten auf Noah Sebastian. Selten wirkte ein Frontmann gleichzeitig so präsent und so in sich gekehrt. Er brauchte keine großen Gesten. Jede kleine Bewegung schien Bedeutung zu besitzen. Als er die Arme ausbreitete und mit ruhiger Stimme sang: „Do you feel love?“ – nur um sich selbst mit „I know, I don’t“ zu antworten – schien die Zeit für einen Moment stillzustehen. Bad Omens leben von Gegensätzen. Auf beinahe schwerelose Melodien folgten tonnenschwere Breakdowns, auf verletzliche Momente brachiale Ausbrüche. Noahs Stimme bewegte sich mühelos zwischen zerbrechlicher Verletzlichkeit und gewaltiger Intensität. Die Stimmen der Fans trugen Zeile für Zeile mit, während sich Sehnsucht, Schmerz und Hoffnung wie ein gemeinsamer Pulsschlag über das Infield legten. Zu „Concrete Jungle“ entlud sich sämtliche aufgestaute Energie. Gewitterartige Visuals zogen über die LED-Flächen, Flammen schossen auf und gar über der Bühne empor und mit einem durchdringenden Urschrei sprengte Noah die zuvor aufgebaute Stille. Die Menge tobte und er rief aus vollster Kehle: „I’m the fucking king.”
Zwischen den Welten
Von diesem Moment an gab es kein Halten mehr. „Circle, circle, circle. Move your ass!“, rief Noah vor „Nowhere to Go“, ehe er wenig später eine gewaltige Wall of Death ankündigte und grinsend ergänzte: „It’s time for metalcore after midnight.“ Zu „Artificial Suicide“ erreichte die Intensität einen neues Level. Gleißendes weißes Licht, mächtige Nebelsäulen und die kompromisslose Härte des Songs ließen den Ring erbeben. Folgend nahmen Bad Omens das Tempo bewusst heraus. „What It Cost“ wirkte wie ein tiefes Luftholen vor dem emotionalen Höhepunkt des Abends. Mit ruhigen Gesten umspielte Noah den Mikrofonständer, während Streicher den Moment in einen warmen, beinahe schützenden Schleier hüllten. Doch die Ruhe war trügerisch.. Mit einem entschlossenen „Bang your fucking heads!“ riss er das Publikum wieder mit sich. „Like a Villain“ entlud sich in einer glühenden Kulisse aus rot-orangefarbenem Licht, lavaartigen Visuals, heftigen Feuerstößen und kreisenden Pits. Umso herzlicher ging es weiter. Noah erzählte grinsend, er habe auf der Anreise mit einer Sprach-App versucht, Deutsch zu lernen. „But it didn’t work. Fucking hard language. Very cool, but hard. I just wanted you guys to know that I did try. I got nothing to say in German. Couldn’t do it. You win”, gestand er schmunzelnd. Anschließend kündigte er „Just Pretend“ an und bat darum, die Handytaschenlampen einzuschalten. Binnen Sekunden erstrahlte über dem Infield ein nicht enden wollender Sternenhimmel aus tausenden Lichtern und der gewaltige Chor trug jede einzelne Zeile durch die Nacht. Noah stand seelenruhig im Zentrum dieses Augenblicks und ließ den Menschen ihre Bühne. Mit einer Sanftheit und Hingabe, die unter die Haut ging, schien er seine Lyrics förmlich zu spüren. Zu „Impose“ wurde es introspektiv. Dunkelblaues Licht tauchte den Sänger beinahe vollständig in Schatten, ehe elektronische Klänge abrupt in rohe Screams umschlugen und schwarz-weißer Flitterregen über die Menge schoss. Unzählige Hände griffen nach den herabfallenden Konfettistreifen, um sich ein kleines Stück dieses besonderen Augenblicks zu bewahren. Doch Bad Omens hatten noch nicht genug. „I wanna see some diabolical fucking shit!“ Bei ihrer Zugabe trieben sich Band und Publikum beim Wechselspiel aus „Concrete!“ und „Jungle!“ gegenseitig zu immer neuen Lautstärken, bevor „Dethrone“ den finalen Ausbruch einleitete. Feuerschübe schossen nicht nur von der Bühne empor, sondern auch aus den gewaltigen Videowürfeln über dem Infield und ließen die Hitze bis tief ins Publikum spürbar werden. Unter Nebelsäulen und tonnenschweren Gitarren growlte Noah Sebastian den Nürburgring mit einer Wucht nieder, die man förmlich körperlich spüren konnte.
Und doch blieb am Ende etwas ganz anderes in Erinnerung: ein Frontmann, der nicht durch übertriebene Gesten faszinierte, sondern durch eine fast greifbare Ruhe. Vielleicht war genau das die größte Stärke dieses Auftritts. Während um ihn herum ein monumentales Spektakel tobte, genügte Noah Sebastian ein Blick, eine Geste oder ein Moment stiller Verletzlichkeit, um Zehntausende Menschen vollkommen in seinen Bann zu ziehen. Überwältigt von all den Eindrücken endete der zweite Tag am Ring. All diese Erlebnisse galt es erst einmal zu verarbeiten.
Aufgrund von Foto-Restriktionen war es uns leider nicht möglich, Bilder von Bad Omens für Dich einzufangen.
Text: Nadine Kloppert
Photos: Michael Gamon
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