THE HOUSE OF USHER im Interview (Teil 2)

The House of Usher

Ich glaube, diesen Mut müssen wir wiederfinden …“

Bereits im ersten Teil (den Du hier nachlesen kannst) haben wir mit Jörg über das Werk „Echosphere“ zu sprechen begonnen und sind dabei in romantische Gefilde abgedriftet, wobei die Melancholie als enger Vertrauter zur Seite stand. Wir setzen da weiter an, blicken aber auch nochmal auf die Anfänge der 1990 gegründeten Gothic-Rock-Band.

Orkus: Was hat euch damals eigentlich zur Namenswahl The House of Usher bewogen?
Jörg Kleudgen: Ich wollte einen Namen, bei dem jeder sofort wusste, welche Art von Musik er dahinter zu erwarten hatte. Natürlich hat uns das auch Grenzen gesetzt. Der Name ist sperrig, und die Assoziation mit E. A. Poe ist eine Festlegung. Tatsächlich wüsste ich aber auch heute keinen geeigneteren Namen für uns.

O:„As the Day Begins“ habe ich als besonders stimmungsvollen Einstieg empfunden. Er bringt aber auch eine melancholische Grundstimmung zum Ausdruck. Was waren eure Gedanken dahinter?
JK: „As the Day Begins“ vermittelt ein Gefühl der Einsamkeit, das aber auch Stärke bedeuten kann. Stärke, die an ähnlich Fühlende oder Suchende weitergegeben werden kann, indem man ihnen sagt: „Du bist mit Deinen Gefühlen nicht allein!“ Wir wollten einen bombastischen Gothic-Rock-Song als Anfang, aber der Sound sollte nicht zu vertraut klingen, sondern aufhorchen lassen. Die künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten sind heute nahezu unbegrenzt. Trotzdem klangen viele Bands in den Achtzigern frischer und markanter. Sie waren mutiger in der Auswahl ihrer Stilmittel. Ich glaube, diesen Mut müssen wir wiederfinden, wenn wir Gothic oder auch Gothic-Rock nicht als Endlosschleife verstehen wollen, die lediglich die Klassiker nachahmt.

O: „Dreaming of You“ hat für mich einen tanzbaren, leicht-lockeren „The Cure“-Vibe. Verstehst du meine Assoziation? Wie kam es zu dieser Entwicklung im Sound? War das eine bewusste Entscheidung, dass ihr euch auch mal offener zeigen wolltet, oder ist es „so passiert“?
JK: Ja, das sehe ich ähnlich, aber die Referenz wären für mich eher Red Lorry Yellow Lorry. „Dreaming of You“ ist eine schlichte, mitreißende Nummer, die selbst als Akustikversion wunderbar funktioniert. Wir neigen ja dazu, unseren Stücken immer noch eine und noch eine und noch eine Gitarre hinzuzufügen, um diesen fast orchestralen Gitarrensound hinzubekommen, der unsere neueren Alben auszeichnet. Aber es tut gut, sich von Zeit zu Zeit zurückzubesinnen und zu zeigen, dass man auch mit weniger Bombast ein gutes Ergebnis erzielen kann.

O: In „Heart of Darkness“ kommt auch die nächtliche Grübelei zum Vorschein, die einen dann auch um fünf Uhr morgens nicht schlafen lässt. War das auch so gemeint? Was sind es für Gedanken, die dich wachhalten? Gleichzeitig kommt auch die Tretmühle des Alltags rüber, und dass die Zeit dann doch so schnell vergeht und man irgendwie nicht hinterherkommt. In welchen Momenten geht es dir auch so?
JK: (lacht) Nein, nein, ich schlafe sehr gut … aber grübeln kann man auch tagsüber hervorragend. „Heart of Darkness“ habe ich nach einem endlosen Nachmittag im Büro geschrieben, insofern kommst du der Wahrheit mit dem zweiten Teil deiner Frage sehr nahe. Es ging allerdings nicht um das „Hinterherkommen“, sondern um die Sinnlosigkeit dessen, was man tut, ohne daraus entfliehen zu können. Die bleierne Zeit erdrückt einen, und man ist diesem Gefühl ausgeliefert. Ich habe damals den Entschluss gefasst, etwas zu ändern, und arbeite heute an einer anderen Stelle, die meinem Leben mehr Sinn gibt. Insofern hat das positive Ende des Songs meine persönliche Entwicklung vorweggenommen.

O: Die Thematik, dass das Leben sich so schnell verändert, kommt vor allem auch in „Echoes (Still Be There)“ zum Tragen. Wie gehst du damit um?
JK: Ich hänge sehr an dem, was ich um mich herum habe, aber manchmal – siehe eben Gesagtes! – sind Änderungen unvermeidlich, und wir brauchen lediglich einen Impuls, um uns zu öffnen. Ich denke, wir alle sind bis zu einem gewissen Grad bequem und klagen lieber eine Weile, als etwas zu ändern. „Echoes“ beschreibt aber sehr konkret, wie wir selbst als Echos unserer Eltern gewisse Denkweisen und Verhaltensmuster unbewusst weitertransportieren und auch an unsere Kinder weitergeben. Da, wo wir selber Lücken verspüren, füllen wir diese automatisch mit dem, was wir „erlernt“ haben. Das zu erkennen, kritisch zu hinterfragen und in Teilen zu akzeptieren ist meines Erachtens ein wichtiger Bestandteil des Selbst-Bewusstwerdens.

Im nächsten Teil sprechen wir über Hoffnung, sprechen uns gegen den Krieg aus und werfen einen Blick auf die Szene und die Zukunft

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Jörg Kleudgen – Gesang, Arrangements
Markus Pick – Gitarren, Bassgitarren
Ralf Dunkel – Bassgitarren, Synthesizer
Georg Berger – Gitarren, Synthesizer
Gerwin Spalink – Schlagzeug, Synthesizer
Thomas Walther – Akustikgitarren, Melotron, Gesang

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