THE HOUSE OF USHER im Interview (Teil 1)

„Indem ich die Welt durch meine „melancholische“ Brille wahrnehme, gestalte ich sie um.“

2 Fakten:
• Bereits 1990 wurde die deutsche Gothic-Rock-Band The House of Usher gegründet.
• Namensgebend ist natürlich Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“.

Bereits letzten April erschien „Echosphere“ von The House of Usher. Wir haben uns viel Zeit genommen, um mit Jörg über künstliche Intelligenz, den Ursprüngen der Band und andere wildromantische Ideen zu sprechen.

Orkus: Was hat euch zu dem wohlklingenden Albumtitel „Echosphere“ inspiriert?
Jörg Kleudgen: So ganz genau weiß ich das gar nicht mehr. Der Begriff war irgendwann da und ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen. Manche Titel nutzen sich nach kurzer Zeit ab. Aber solche wie „Radio Cornwall“, „Cosmogenesis“ oder „Echosphere“ sind in meinen Augen zeitlos schön und gewinnen manchmal über die Jahre noch hinzu.

O: Was ist denn eine Echosphere?
JK:
Ich habe mit dem selbst erfundenen Wort von Anfang an etwas Bestimmtes verbunden. Seine endgültige Bedeutung hat es aber erst später gewonnen, als ich die dazugehörige Geschichte geschrieben habe. Der Begriff beschreibt die unsichtbare Sphäre, die uns umgibt, und die wir als Wirklichkeit empfinden. So wie äußere Eindrücke uns beeinflussen, verändern wir durch unsere Wahrnehmung und unser Denken unsere Welt.

O: Das Albumcover ist besonders stimmungsvoll und erinnert mich ein bisschen an die Epoche der Romantik. Wie ist es entstanden?
JK: Nun, die Entstehung erfolgte leider ganz und gar nicht romantisch, sondern mithilfe eines KI-Programmes. Ich versuche, aktuelle Entwicklungen der Technik zu nutzen, etwa indem ich ein durch KI erzeugtes Bild von Hand nachzeichne und dabei neu interpretiere. Etwas anderes mache ich ja auch nicht, wenn ich mit dem Skizzenblock in der Natur unterwegs bin. Grundsätzlich stehe ich dem Phänomen „KI“ aber eher kritisch gegenüber. Die Ergebnisse, die damit erzeugt werden, verschlagen einem auf den ersten Blick vielleicht den Atem. Aber schon recht bald – so finde ich jedenfalls – verlieren sie ihren Reiz. Sie sind eben nicht originell, sondern kopieren lediglich bereits Vorhandenes zusammen, um es neu zu arrangieren. Insofern kann man in diesem Zusammenhang nicht von „Kreativität“ sprechen.

O: Also würdest du sagen, dass die Romantik durchaus auch eine Quelle der Inspiration für The House of Usher ist?
JK: The House of Usher mit ihren Ursprüngen in der Schauerliteratur, der ich ja auch als Autor verhaftet bin, sind definitiv der Romantik zuzuordnen. Ich habe grundsätzlich eine romantische Weltsicht und bringe Dinge, die ich beobachte, in neue, manchmal ungewöhnliche Zusammenhänge, um zu verstehen, was sich dahinter verbirgt. Mich zieht es vielmehr in die (wildromantische) Natur als in die vom Menschen gestaltete, urbane Welt, und wir leben nicht zufällig in einem Fachwerkhaus aus dem achtzehnten Jahrhundert, das voller Rätsel steckt.

O: Würdest du dich selbst als „melancholisch“ bezeichnen?
JK: Ja, aber nicht in einem pathologischen Sinne. Ich glaube, das ergibt sich aus dem oben gesagten von selbst und schlägt einen schönen Bogen zum Bedeutung der „Echosphäre“. Indem ich die Welt durch meine „melancholische“ Brille wahrnehme, gestalte ich sie um. In meinen Geschichten, Illustrationen und Songtexten bilde ich die Wirklichkeit zwar ab, interpretiere sie aber und versuche, in ihnen einen tieferen Sinn zu finden. Das ist nichts anderes, als die Romantiker getan haben. Diese Betrachtungsweise färbt naturgemäß auf mich selbst ab. Deshalb denke ich … ja, ich bin melancholisch und koste dieses Gefühl auch gerne aus.

Im nächsten Teil sprechen wir über Gitarren, die am besten mit Gitarren und noch einmal Gitarren klingen, den Ausbruch aus der Tretmühle und vieles mehr.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Jörg Kleudgen – Gesang, Arrangements
Markus Pick – Gitarren, Bassgitarren
Ralf Dunkel – Bassgitarren, Synthesizer
Georg Berger – Gitarren, Synthesizer
Gerwin Spalink – Schlagzeug, Synthesizer
Thomas Walther – Akustikgitarren, Melotron, Gesang

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