THEN COMES SILENCE im Interview (1/2)

Photo: Alexandra Petersen

Zwischen Licht und Schatten, Abschied und Neubeginn, Requiem und Ballroom: Then Comes Silence laden auf ihrem neuen Album dazu ein, Gegensätze nicht als Widerspruch, sondern als zwei Seiten derselben Medaille zu begreifen. Wir sprechen mit Alex, Jonas und Hugo über kreative Experimente, persönliche Geschichten und die besondere Verbindung zu Deutschland – und stehen am Ende vor einer schwierigen Entscheidung: Welche Albumhälfte darf es sein?

Orkus: „Requiem Ballroom“ ist kein gewöhnliches Album. Es spielt mit Gegensätzen. Wie ist dieses Konzept entstanden?
Alex: Schon in einer frühen Phase hatte ich eine klare Vision für das Album. Ich stellte der Band mein Konzept vor, und wir waren uns einig, die beiden Hälften mit zwei unterschiedlichen Produktionen umzusetzen.

Dieses zweiteilige Album ist ein Experiment. Ich möchte die beiden Seiten voneinander getrennt halten und die Leute entscheiden lassen, welche ihnen besser gefällt. Die Grundlage des Konzepts liegt direkt vor unseren Augen, jeden Tag und überall. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir eine stark polarisierte Welt geschaffen. Alles ist schwarz oder weiß, rot oder blau, richtig oder falsch. Dazwischen, in der Mitte, passiert nicht viel. Also … lasst uns mit diesem zweiteiligen Konzept spielen.

O: Was fasziniert dich besonders daran, Gegensätze zu erkunden?
Alex: Dass Gemeinsamkeiten und Gegensätze miteinander verbunden sind. Ich bin als Dekorationsmaler beruflich in der Malerei tätig. In der Kunst und im Malerhandwerk ist es entscheidend, Farben mit ihren Kontrasten zu mischen. Blau ist nichts ohne Orange, und Rot ist leblos ohne Grün. Mischt man eine Prise Orange in das Blau, wird die Farbe lebendiger und kräftiger. Dasselbe gilt für die Welt um uns herum. Sich mit Gegensätzen auseinanderzusetzen, erweitert den eigenen Horizont.

O: Was bedeutet der Titel „Requiem Ballroom“ für dich? Wie kommen Abschied und Feier, Dunkelheit und Licht zusammen?
Alex: Wir sprechen ja gerade über Gegensätze. Wir brauchen ein Ende, um einen Anfang zu schaffen. Wenn das Leben endet, beginnt etwas anderes. Ich würde sagen, diese Dinge passen ziemlich gut zusammen.

O: Auch das Cover-Artwork passt perfekt zum Konzept. Wie ist es entstanden?
Jonas: Alex hatte die Idee, mit handgemalten Illustrationen auf Papier zu arbeiten. Die Hintergründe bestehen aus Holzbrettern, die mit einer grünen Beize gestrichen wurden. Diesmal war am Computer kaum Arbeit für das Artwork nötig, nur kleine Farbkorrekturen und ein paar Details. Die Illustrationen wurden ausgeschnitten und auf die Bretter geklebt. Anschließend mussten wir nur noch ein paar ordentliche Fotos davon machen.

O: „Bye Bye Land“ ist besonders eingängig. Gibt es eine Geschichte hinter seiner Entstehung?
Alex: Es geht um die schmerzhafte Erfahrung eines guten Freundes, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit hatten vollständig von ihm Besitz ergriffen. Damit er sich anhörte, was ich ihm zu sagen hatte, machte ich den Song eingängig und schrieb eine Melodie, bei der man leicht mitsingen kann.

O: „Lacrimosa“ ist ein weiterer beeindruckender Titel. Wie ist dieser Song entstanden?
Alex: Ich finde, der Track ist chaotisch. Er geht in alle Richtungen. Das ist meine Meinung. Der Bass springt herum und führt ein Eigenleben. Die Gitarre ist harmonisch ziemlich frei, während das Schlagzeug durchgehend einen gleichmäßigen 4/4-Takt spielt. Aber es funktioniert, und ich mag den Song. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie er entstanden ist. Wahrscheinlich habe ich ihn geschrieben, um zwischen zwei anderen Songs den Kopf freizubekommen.

O: „Hear the Silence“ sorgt dann für einen atmosphärischen Wechsel. Es ist ein besonders interessanter Titel mit vielen verschiedenen Ebenen. Wie ist er entstanden?
Hugo: Für uns ist das etwas Neues, und es hat einige Zeit gedauert, den Song zusammenzustellen. Ich sehe ihn als eine Art Goth-Rock-Oper mit drei unterschiedlichen Teilen. Er dauert fast sieben Minuten. Ursprünglich bestand er nur aus zwei Teilen, aber wir beschlossen, ihn noch länger zu machen und am Ende einen dritten Teil hinzuzufügen, um „den Kreis zu schließen“. Er gehört zu meinen Lieblingssongs auf dem Album.
Alex: Der Entwurf des Songs entstand bereits 2017, ungefähr zu der Zeit, als ich an dem Album „Blood“ arbeitete. Er war noch nicht fertig und brauchte mehr Zeit. Letztes Jahr nahm ich ihn wieder zur Hand und versuchte, ihn aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Diesmal hatte ich den Text, und wir hatten ein fertiges Arrangement. Er wartete auf den richtigen Moment.

Claudia Zinn-Zinnenburg

In Kürze setzen wir unser Interview fort.

Line-up:
Alex Svenson – Gesang, Bass, Synthesizer
Hugo Zombie – Gitarren  
Jonas Fransson – Schlagzeug

Sieh Dir das Video zu „Remaker Redeemer“ an:

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