TOUCH BY TOUCH im Interview (2/2)

Photo: Isabella

Touch by Touch wurde 2021 in Wien ins Leben gerufen. Mit ihrem Debütalbum „Power Dynamics“ verschaffen sie Sounds der Achtziger- und Neunzigerjahre Gehör, aber nicht ohne eine frische, moderne Note. Wir setzen unser zweiteiliges Interview fort. – Du hast den ersten Teil verpasst? Hier kannst Du ihn nachlesen.

Quatschen!

Orkus: Besonders begeisternd ist auch „Talk Talk Talk“. Was war die Inspirationsquelle dafür?
FKV Instrumental wollten wir da in Richtung Synthpop gehen, mit einem catchy Refrain.
FKG: Wie der Titel vermuten lässt, geht es um Kommunikation. Oft ein fürchterlich komplexer Prozess und manchmal redet man einfach aneinander vorbei. Andererseits gibt es auch Leute, die einfach immer plappern, quatschen und tratschen müssen und damit jede Situation zerstören.

Sprachbereicherung

O: Mit „Eisenherz“ findet sich auch ein deutschsprachiges Stück auf dem Album. Aber in „Aldozat Karhozat“ kommt auch Ungarisches vor. Wie kommt es, dass ihr euch gleich in drei Sprachen wohlfühlt?
FKV Deutsch ist unsere Muttersprache. Lyrisch bzw. gesangstechnisch passt es einfach gut zur Musik. Ich bin Ungar und wollte auch ein ungarisches Lied singen. Wir hören beide sehr viel Musik in verschiedensten Sprachen und sehen es immer als Bereicherung, wenn eine Band verschiedene Sprachen in ihren Liedern einbringt. Nebenbei haben wir sogar ein Cover des Achtziger Yugo-Pop-Hits „Ostavi Sve“ von Max Vincent & Intro in Serbisch aufgenommen, obwohl keiner von uns wirklich die Sprache kann.
FKG: Manche Themen und Ideen schreien nach Englisch, Anderes verlangt nach Deutsch – jede Sprache hat ihre eigenen Qualitäten. Ich entscheide das während des kreativen Prozesses und möchte mich hier nicht selbst limitieren, wir verwenden ja auch nicht in jedem Song dieselben Instrumente.

Gegen den Einheitsbrei

O: Und worum geht es in „Aldozat Karhozat“?
FKV Ich bin seit meinen jungen Teenager-Jahren schon immer in irgendwelchen Subkulturen unterwegs. Das kann natürlich Segen und Fluch zugleich sein. Das Lied thematisiert das. Es geht auch darum, dass die Subkulturen immer mehr verschwinden und alles zum Einheitsbrei wird.

Stotternd?

O: Das Album endet mit „Hard to Love“. Wie ist dieser Song entstanden?
FKV Ich wollte für das Lied eine Melodie schreiben, die nicht durchgehend spielt, sondern kleine Pausen oder Lücken hat. Sowas hatte ich zuvor noch nicht geschrieben. Die minimalistischen Beats und Bässe komponierten sich wie von selbst. Gesangstechnisch hatte FKG sofort eine geniale Idee. Er hat an mehreren Stellen Stottergesang verwendet. Sowas hört man sehr selten, aber ich hab sofort gewusst, dieser ungewohnte Gesangsstil lässt das Lied aus der Masse herausstechen.
FKG: Ja, generell ist auch der Gesang mit dem Mut zur Lücke angelegt. Das war eine bewusste Entscheidung, um dem swingenden und zwingenden Beat Raum zum Atmen zu lassen. Funktioniert auch live super.

Wiener Musikszene

O: Wie ist eure Meinung dazu: Ist auch in Wien die Darkwave/Post-Punk-Szene am Wachsen?
FKV Ja – definitiv. Wir haben auch sehr viele gute Bands wie z. B. Dark Venus, Mitra Mitra, Skubut und Color of a Dead Channel, nur um einige zu nennen.
FKG: FKV spielt übrigens auch bei IVUR – sehr zu empfehlen. Außerdem gibt es mit Generation Noir, Bloodbeat, Abstieg!, Vienna Decay und Catacomb Kittens auch viele sehr engagierte Veranstalter*innen. Allerdings ist eine riesen Lücke zu erkennen zwischen Internet-Phänomenen wie Lebanon Hanover oder Molchat Doma, die jeweils in großen oder riesigen Locations spielen, und dem echten (lokalen und internationalen) Underground, wo sich die Zuschauer*innenzahl eher um die 100 Leute bewegt. Das Gig-Angebot ist recht üppig und die echte Crowd eher limitiert. Tanzt dafür umso besser.

Meet Falco!

O: Inwiefern macht es euch froh, aus Wien zu kommen bzw. in dieser Stadt zu leben?
FKV Ich bin nicht in Wien aufgewachsen und wohne erst seit ein paar Jahren hier. Obwohl es Vorteile hat, in Wien zu leben, vermisse ich ehrlicherweise das Leben außerhalb von Wien.
FKG: In Wien aufzuwachsen verschaffte mir das Glück, im Alter von 15 Jahren Falco in einem asiatischen Lokal zu begegnen. Mein Weg zur Toilette führte an seinem Tisch vorbei. Aus Reflex grüßte ich ihn und er erwiderte „Seavas“. Davon zehre ich immer noch.

Zukunftsblick

O: Wie sehen eure nahen Zukunftspläne aus?
FKV Jetzt mal Videos herausbringen, Konzerte spielen und unser Debütalbum promoten. Danach unser zweites Album produzieren – die Lieder sind schon alle fertig und auch schon teilweise aufgenommen.
FKG: Joggen gehen, „Silent EM“-Platte auflegen und dazu Wermut trinken, Jörg von Kernkrach nochmal für die fantastische Vinylauflage Danke sagen, und dann den Gesang für unsere zweite Platte aufnehmen. Seavas!

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
FKG – Gesang, Bass
FKV – Synthesizer, Gitarre

Touch by Touch – Tourdates:
02. Mai 2026 AT-Wien, Szene
03. Mai 2026 AT-Graz, PPC
08. November 2026 AT-Wien, Das LOT

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