KLEZ.E im Interview (1/2)

Photo: Caroline Pitzke

Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Klez.e über das neue Album „Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“, das am 5. Juni erscheint.

Klez.e und der Moment, in dem alles klarer wird

Fast 25 Jahre nach ihrer Gründung klingen Klez.e plötzlich so zugänglich wie nie – und gleichzeitig größer, weiter, offener. „Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“ ist kein Bruch mit der Vergangenheit, es ist eher ein Aufreißen der Fenster. Frische Luft strömt hinein, ohne dass die Schatten verschwinden. Vielleicht ist genau das der Punkt: Gegen die Furcht, für das Licht. Es beginnt nicht im Studio, sondern im ICE. Tobias Siebert sitzt auf dem Rückweg von einem Junggesellenabschied, „etwas zerzaust, aber mit einem breiten Lächeln“, wie er sagt. Zwischen Minigolf, Sekt und absurden Kostümen entsteht die erste Idee zu „Melancholia“. Ein Moment, der vieles vorwegnimmt: Leichtigkeit, die nicht naiv ist. Freude, die weiß, dass sie flüchtig bleibt.

Das Ende der Verklausulierung

Wer Klez.e kennt, kennt auch ihre alten Schleier. Die Andeutungen, das Umkreisen, das Nicht-sagen-Wollen. Dieses Album funktioniert anders. Direkter. Klarer. Fast schon entwaffnend. „Ich habe einfach in mich reingehört und alles direkt aufgeschrieben“, sagt Siebert. Was wie eine einfache Entscheidung klingt, ist das Ergebnis eines langen Weges. Früher habe er sich hinter der Musik versteckt, „weniger angreifbar, aber sehr genau das, was ich sagen wollte“. Jetzt tritt das Wort nach vorne. Ein natürlicher Prozess, sagt er – „angereichert mit einem etwas bewusst gewählten Bruch“. Und dieser Bruch ist hörbar. In Sätzen, die nicht mehr ausweichen. In Bildern, die plötzlich stehen bleiben dürfen.

Ein Versprechen, das größer wird

Der Titel „Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“ klingt wie ein intimer Satz. Fast privat. Doch er wächst mit jedem Gedanken. „Es startet im Kleinen“, erklärt Siebert, „zwischen zwei Menschen“. Aber von dort aus weitet es sich: auf Bars, Begegnungen, Demonstrationen. Auf alles, was verbindet. „Ein Versprechen, dass wir nicht aufhören werden, an das Gute zu glauben.“ Diese Bewegung prägt das gesamte Album. Nähe wird nicht romantisiert, es wird hier eher als Gegenmodell verstanden. Gegen Vereinzelung. Gegen Überforderung. Gegen eine Welt, die aus den Fugen gerät.

Jan Schütz (Meersein)

Line-up:
Tobias Siebert – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards
Daniel Moheit – Keyboard, Bass
Filip Pampuch – Schlagzeug

In Kürze setzen wir unser Interview fort.

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