KRIEG-B im Interview (1/2)

Wir sprechen mit Krieg-B, das aus dem Franzosen Dominique Lallement und dem Belgier Benoît Buyse besteht, über ihr aktuelles Album „War Drums‘ Resonance“. Dabei ergründen wir die Anfänge des Projekts, deren Einflüsse, was es mit dem Namen auf sich hat und blicken auch in die Zukunft.
Orkus: Fangen wir ganz am Anfang an. Wie kam es zur Gründung von Krieg-B?
Dominique Lallement: KRIEG-B hat sich ganz natürlich aus unserem gemeinsamen Hintergrund in der Dark-Electronic- und Industrial-Szene ergeben, vor allem aber aus unseren früheren Musikprojekten. Ich selbst war an mehreren Projekten beteiligt, darunter Kriegbereit, K-Bereit sowie Cobalt 60, ein Projekt mit Jean-Luc De Meyer von Front 242, das mir sowohl im Studio als auch auf der Bühne wertvolle Erfahrungen im Bereich EBM und Industrial vermittelt hat. Benoît war seinerseits durch Projekte wie Dreadfool und Anamorphosis aktiv, die es ihm ermöglichten, dunklere, experimentellere und aggressivere Klangwelten zu erkunden. Dieser gemeinsame, sich jedoch ergänzende Hintergrund machte die Zusammenarbeit ziemlich naheliegend. Wir kamen bereits aus ähnlichen Welten und hatten eine gemeinsame Vision von Musik: etwas Körperliches, Intensives, das ebenso sehr für die Bühne wie für die Produktion konzipiert ist. Krieg-B wurde auf diesem Fundament aufgebaut, mit der Absicht, unsere Erfahrungen zusammenzuführen, um etwas Direkteres, Kohärenteres und Identifizierbareres zu schaffen. Wir alle teilen eine starke Vorliebe für EBM, Industrial und dunkle elektronische Musik, aber auch für deren visuelle und emotionale Dimension.
O: Oft verbindet Franzosen und Belgier eine Art Hassliebe zueinander. – Trifft das auf euch zu?
DL: Man könnte sagen, dass das für uns eher ein lustiges Klischee ist als irgendeine Art von Realität. In unserem Fall gibt es absolut keine „Hassliebe“ zwischen Franzosen und Belgiern. Die einzigen echten Debatten, die wir manchmal führen, drehen sich um weitaus wichtigere Dinge… wie das beste Bier oder die besten Pommes. (lacht) Aber das ist natürlich eine sehr ernste Angelegenheit… zumindest theoretisch! (zwinkert) Bei Krieg-B ist es eigentlich genau umgekehrt: Was für uns zählt, ist das, was uns verbindet, nicht das, was uns trennt. Wir kommen aus Szenen, die sich schon immer sehr nahe standen, besonders im EBM und in der Industrial-Musik, wo Grenzen eigentlich keine Rolle spielen. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede und manchmal leicht unterschiedliche Arbeitsweisen, aber genau das macht den Austausch interessant und kreativ. Letztendlich bereichert es das Projekt, anstatt es zu verkomplizieren. Also nein, hier gibt es keinen Kalten Krieg – nur eine natürliche, sich ergänzende Zusammenarbeit… und gelegentlich einige sehr ernste Diskussionen über Bier. (zwinkert)
O: Inwiefern bringt ihr das Beste aus beiden Welten in euren Sound ein?
DL: Wir kommen aus unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Hintergründen, und genau darin liegt unsere Stärke. Auf der einen Seite gibt es ein sehr starkes Fundament, das in klassischer EBM- und Industrial-Musik verwurzelt ist, mit einem besonderen Fokus auf rhythmischer Effizienz, Spannung und der Kraft des Sequenzierens. Auf der anderen Seite gibt es eine modernere Sensibilität, die offener ist für Texturen, Sounddesign und sich weiterentwickelnde Strukturen. Für uns ist das „Beste aus beiden Welten“ diese Mischung aus einer direkten, fast rohen und mechanischen Grundlage und einer atmosphärischen, emotionaleren Ebene. Wir versuchen nicht, zwischen Old-School und Modernität zu wählen, sondern beides nebeneinander bestehen zu lassen. Unsere bisherigen Erfahrungen in verschiedenen Projekten spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle: Sie ermöglichen es uns, direkt auf den Punkt zu kommen, zu verstehen, was auf der Bühne funktioniert, und eine gewisse Disziplin bei der Gestaltung der Tracks zu wahren. Letztendlich bewegt sich Krieg-B zwischen diesen beiden Polen: industrieller Strenge und einem zeitgenössischeren Ansatz in Sachen Sound. Es ist diese Spannung, die unsere Identität ausmacht.
O: Wie seid ihr auf den Bandnamen Krieg-B gekommen?
DL: Der Name Krieg-B fügt sich nahtlos in die Kontinuität meiner musikalischen Reise ein. Es ist kein Konzept, das in einem Sitzungssaal entworfen wurde, sondern eine natürliche Weiterentwicklung nach Kriegbereit, meinem ersten Industrial-Projekt, und dann K-Bereit im Anschluss an Cobalt 60. Krieg-B ist einfach der nächste Schritt auf diesem Weg. Ich habe den Namen auch Benoît vorgeschlagen, und er war sofort einverstanden, da er perfekt zu dem Geist passte, den wir uns für das Projekt wünschten. Es gibt auch eine klare Verbindung zu einer bestimmten Vision der Industrial-Szene, insbesondere der von Front 242. Wir identifizieren uns mit dieser Vorstellung einer Band als direkte Einheit, die in ihrer Bühnenpräsenz fast militärisch wirkt. Das von Patrick Codenys erwähnte Bild des „musikalischen Kommandos“ passt sehr gut zu unserer Arbeitsweise: Wir kommen, wir spielen, wir liefern die Energie und dann verschwinden wir wieder. Krieg-B arbeitet in diesem Sinne: etwas Frontales, ohne Umwege, fokussiert auf Wirkung und Energie. Der Name spiegelt auch einfach die aktuelle Zeit wider, die von Spannungen und einer Art permanentem Chaos geprägt ist. Es ist keine theoretische Aussage, sondern ein globales Gefühl, das ganz natürlich zur Musik passt.
Im nächsten Teil sprechen wir genauer über das Debütalbum „War Drums‘ Resonance“.
Claudia Zinn-Zinnenburg
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