KLEZ.E im Interview (2/2)

Photo: Caroline Pitzke

Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Klez.e über das neue Album „Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.

Kontrastreich?

„Hymnus“, die erste Single, steht am Anfang wie ein ruhiger Koloss. Kein lauter Aufbruch, sondern einer mit Haltung. „Er schafft das mit so einer intensiven Ruhe“, sagt Siebert. „Ich bin für Leichtsinn.“ Ein Satz, der fast trotzig wirkt in einer Zeit, die alles schwer machen will. Auch andere Stücke tragen diese Spannung in sich. „La Boum“ etwa, mit seiner schimmernden Oberfläche, unter der es brodelt. „Dieser Kontrast ist allgegenwärtig“, sagt Siebert. „Du fängst an zu graben – und findest sofort etwas, das große Fragen aufwirft.“ Oder „Ich seh es an mir“, ein Song über Selbsttäuschung im Dauerfeuer digitaler Wirklichkeiten. „Mir fällt es zunehmend schwerer, das Wischwasser in mir sauber zu halten.“ Ein Satz, der hängen bleibt, weil er so ungeschützt ist und vielen Menschen aus der Seele spricht.

Die Kathedrale auf dem Feld

Der Sound des Albums wirkt wie gebaut. Hoch, weit, fast sakral. Kein Zufall: Das Studio trägt den Namen „The Cathedral“. Eine ehemalige Kapelle, irgendwo auf einem Feld, ohne Nachbarn. „Du spielst in das Gebäude hinein“, sagt Siebert. „Die Wände schwingen. Das lebt anders.“ Es ist diese physische Dimension, die man hört. Kein Plug-in ersetzt das. Kein Algorithmus baut solche Räume. Keine KI kann solche Klänge erzeugen. Vielleicht ist es genau dieser Ort, der dem Album seine eigentümliche Balance gibt: zwischen Weite und Intimität, zwischen Kälte und Trost.

Bilanz ohne Schlussstrich

Ist das alles also eine Zwischenbilanz? Siebert nimmt einen Schluck Rotwein, denkt kurz nach – und sagt dann einfach: „Ja.“ Er erzählt von Momenten, die bleiben. Von Konzerten, von leeren Straßen im Schnee, von diesem seltenen Gefühl, dass alles stimmt. „Ich frage mich wirklich, warum es diese Momente nicht häufiger gibt.“ Vielleicht ist dieses Album ein Versuch, sie festzuhalten. Oder zumindest ihre Spur. Am Ende bleibt kein großes Statement, sondern etwas Einfacheres, vielleicht Radikaleres: die Idee von Verbundenheit. Von Zusammenrücken. Von Licht, das durch ein Fenster fällt, genau im richtigen Moment. Und für einen Augenblick ist es dann tatsächlich da.

Jan Schütz (Meersein)

Line-up:
Tobias Siebert – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards
Daniel Moheit – Keyboard, Bass
Filip Pampuch – Schlagzeug

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