KÁRYYN im Interview (1/2)

Die in Los Angeles Lebende Künstlerin KÁRYYN mit syrisch-armenischen Wurzeln begann mit ihrem Soloprojekt 2017. Lies hier den ersten Teil unseres Interviews:
Wenn Physik fühlbar wird
Es gibt Alben, die erzählen Geschichten – und solche, die Zustände erschaffen. „Physics Universal Love Language (Pull)“ von KÁRYYN gehört klar zur zweiten Kategorie. Es ist kein klassisches Pop-Statement, es ist ein Versuch, Emotionen als physikalisches System zu begreifen. „Für mich war das nie getrennt“, sagt sie. „Aber es hat sich in zwei Momenten kristallisiert – als ich ‚What the Bleep Do We Know?‘ gesehen habe und später, als ich mich intensiv mit Weltraumphysik und schwarzen Löchern beschäftigt habe.“ Parallel dazu habe sie sich mit Buddhismus und Achtsamkeit auseinandergesetzt. „Da wurde mir klar, dass all diese Systeme dieselbe Realität beschreiben.“ Diese Erkenntnis bildet das Fundament des Albums: Gefühle sind keine Gegenspieler von Physik – sie sind Ausdruck derselben Kräfte.
PULL: Die Kraft hinter allem
Der sperrige Titel ist dabei Programm. KÁRYYN denkt in Systemen, in Beziehungen zwischen Kräften. „Was wir selbst oder liebend erleben, wird von denselben Kräften bestimmt wie in der Physik: Anziehung, Spannung, Ausrichtung“, erklärt sie. „PULL ist diese Kraft – wie Gravitation. Etwas in uns, das uns bewegt, lenkt, anzieht oder abstößt.“ Diese Idee zieht sich durch das gesamte Album. Klang wird zur Metapher, aber auch zum Werkzeug. Streicher, modulare Synthesizer und Beats wirken nicht dekorativ, sie sind funktional – wie Felder, die sich überlagern.
Der Bruch als Anfang
Dass das Album mit „Collapse Phase“ beginnt, ist kein Zufall. Es ist die Eintrittspforte. „Der Moment des Zusammenbruchs ist auch immer ein Moment der Geburt“, sagt KÁRYYN. „Alles öffnet sich genau dort.“ Der Song selbst speist sich aus einem tiefgreifenden persönlichen Prozess. „2011 wurde mir klar, dass ich meine inneren Muster neu schreiben muss. Das war der Beginn meiner eigenen ‚Collapse Phase‘.“ Es geht nicht um passives Erleiden, sondern um aktive Transformation. Auch die Lyrics spiegeln diese Ambivalenz: „Es ist nicht Resignation oder Befreiung – es ist beides“, sagt sie. „Abbau und Neubau gleichzeitig.“
Jan Schütz (Meersein)
Bald wird das Interview hier fortgesetzt. Auch in unserer Mai/Juni-Ausgabe sprechen wir mit der Künstlerin.

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