SOMBERWIND im Interview (1/2)

Das chilenische Duo um Marco Cusato und Caterina Nix verbindet atmosphärischen Gothic Rock mit emotionaler Tiefe und einer ausgeprägten Liebe zum Mystischen. Mit „The Labyrinth of Self“ laden Somberwind zu einer introspektiven Reise in die verborgenen Winkel der Seele ein. Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Marco über die Ursprünge seiner musikalischen Laufbahn, die besondere Magie des Windes, weibliche Weisheit und die Hoffnung, Somberwind bald auch live nach Europa zu bringen.
Orkus: Fangen wir ganz am Anfang an. Wann und wie hast du Gothic-Musik zum ersten Mal entdeckt?
Marco Cusato: Ich entdeckte das Genre 1986/87, mitten in der Blütezeit der englischen Szene mit Bands wie The Sisters of Mercy und The Mission. Damals spielte ich Heavy Metal, doch als ich diese Bands hörte, war das eine regelrechte Offenbarung. Mir wurde sofort klar, dass ich mich musikalisch breiter aufstellen musste, wenn ich mich als Songwriter und Instrumentalist weiterentwickeln wollte. Ende 1989 kehrte ich der Metal-Szene endgültig den Rücken, um diesem Gothic-Weg zu folgen, der seither meine musikalische Identität prägt.
O: Weißt du noch, was Dich emotional an der Gothic-Musik angesprochen hat?
MC: Ich fühlte mich von ihrer dunklen, poetischen und bisweilen sakralen Atmosphäre emotional umhüllt. Sie besaß eine Art heilige Melancholie und rituelle Tiefe. Die Art und Weise, wie die Musik die Dunkelheit nicht als etwas Negatives, sondern als etwas Schönes und Poetisches darstellte, sprach mich sofort an. Es war genau diese besondere, ehrfürchtige Atmosphäre, die mich vollkommen in ihren Bann zog.
O: Was hat dich schließlich dazu inspiriert, selbst Musik zu machen?
MC: Ich komponiere schon seit meiner frühesten Jugend und ließ mich anfangs von den großen klassischen Rockkünstlern inspirieren. Musik zu erschaffen, war schon immer ein natürlicher Bestandteil meines Lebens. Was mich schließlich dazu brachte, in diese dunklere Welt einzutauchen, war die Erkenntnis, dass ich tiefere, atmosphärischere Klanglandschaften brauchte.
O: Wie sahen deine ersten Versuche aus, Musik zu machen?
MC: 1991 gründete ich La Devoción und wurde damit zu einem der echten Pioniere der Gothic-Bewegung in Chile. 1995 entwickelte sich daraus Capital, eine Band, die unsere Szene nachhaltig prägte. 2008 begann ich mit The Fallacy, aus dem sich im Laufe der Jahre ganz natürlich Somberwind entwickelte.
O: Wann entstand der erste Somberwind-Song?
MC: Der erste Somberwind-Song war „Emptiness“. Er entstand im Rahmen einer Studiozusammenarbeit, als ich ihn mit Caterina aufnahm. Wir spürten sofort eine starke musikalische Chemie, die uns dazu inspirierte, aus dem Projekt eine vollständige Band zu machen und den Song im November 2020 als Debütsingle zu veröffentlichen.
O: Wann genießt du es besonders, den Wind zu spüren – gerade angesichts der Tatsache, dass du Somberwind als Bandnamen gewählt hast?
MC: Für mich ist der Wind ein zutiefst zeremonielles und introspektives Element. Besonders gerne spüre ich die Kühle einer Herbst- oder Winterbrise, denn sie spiegelt jene heilige Melancholie wider, die ich in der Kunst suche. Ich wählte den Namen Somberwind, weil der Wind eine unsichtbare Kraft ist: Er flüstert und setzt Dinge in Bewegung. Und manchmal trägt dieser Wind einen Schatten mit sich, der Erinnerungen an Dinge weckt, die man lieber vergessen würde.
O: Was ließ dich erkennen, dass „The Labyrinth of Self“ der perfekte Titel für das Album war und wie entstand das Albumcover?
MC: Seit 2018 zielen meine Themen darauf ab, die weibliche Weisheit und die Hexenkunst als Wege zur Erkenntnis in den Mittelpunkt zu stellen. Für dieses Cover wollte ich traditionelle westliche Stereotype vermeiden. Stattdessen stellte ich mir eine Zauberin vor, die unmittelbar aus der Natur hervorgegangen ist – eine authentischere, vom Schamanismus inspirierte Gestalt. Das Artwork wurde so gestaltet, dass es diese erdverbundene, natürliche Kraft widerspiegelt und die Hüterin des Labyrinths visuell verkörpert.
Der Titel ist stark autobiografisch geprägt. Er beschreibt eine intensive, introspektive Reise, auf der es nicht nur um vorübergehende Gefühle und Emotionen geht, sondern um ganze persönliche Lebensgeschichten, Wünsche, Frustrationen, Überzeugungen und Wertvorstellungen.
O: Caterinas wunderschöne Stimme ergänzt deinen atmosphärischen Gesang perfekt. Wie habt ihr beide ursprünglich zueinandergefunden?
MC: 2017 lernten wir uns auf einem Festival kennen, bei dem Bands mit Frontfrauen auftraten. Caterina spielte mit Chaos Magic, während ich mit The Fallacy auf der Bühne stand. Da ich andere Klangwelten erkunden wollte, schlug ich ihr spontan vor, irgendwann gemeinsam etwas aufzunehmen.
O: Wie habt ihr schließlich angefangen, gemeinsam an der Musik zu arbeiten?
MC: Wir blieben in Kontakt und beschlossen einige Monate später, gemeinsam etwas aufzunehmen, um zu sehen, was daraus entstehen würde. Was ursprünglich als einfache, einmalige Zusammenarbeit gedacht war, funktionierte auf Anhieb so gut, dass daraus ganz spontan Somberwind und unser Debütalbum „Remain“ hervorgingen.
Annabelle Reiter
Wir setzen unser Interview in Kürze fort.
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