GÖRL im Interview (1/2)

Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Sylvie Marks und Robert Görl über ihr Album „Dark Silver Moon Light“, das am 29. Mai 2026 erscheint.
Aufbruch im silbernen Licht
Es beginnt mit einem Bild, das sich einprägt: ein See bei Nacht, das Licht des Mondes zieht eine schimmernde Spur über das Wasser – und irgendwo zwischen Realität und Traum verschwindet eine Gestalt. Aus dieser Szene heraus entsteht „Dark Silver Moon Light“, das erste Album von GÖRL. Es klingt so, wie der Titel es erahnen lässt: wie ein Zustand zwischen Wahrnehmung und Projektion, zwischen Kontrolle und Loslassen. Hinter GÖRL stehen zwei Persönlichkeiten, die elektronische Musik nicht nur geprägt, sondern immer wieder neu gedacht haben: Robert Görl und Sylvie Marks. Görl wurde als Mitbegründer von DAF zur Schlüsselfigur des frühen EBM und Post-Punk, während Marks als prägende DJane und Produzentin – unter anderem als Resident im Frankfurter Dorian Gray und mit internationalen Releases – die Clubkultur seit den Neunzigern mitgestaltet hat. Doch statt Rückschau betreiben sie radikale Gegenwart. „Wir brechen in die Freiheit und in unsere Unabhängigkeit auf“, sagen sie. Der Name GÖRL ist dabei mehr als nur ein Projekt – er ist eine bewusste Abgrenzung: „Wir wollten eine neue gemeinsame Band schaffen, mit einem unbelasteten Namen.“
Zwei Wege, ein Puls
Was sie so besonders macht, ist nicht nur die Erfahrung, es ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie zusammenarbeiten. „Über Gleichberechtigung denken wir gar nicht nach – das ist für uns selbstverständlich.“ Es ist dieser organische Zugang, der sich durch das gesamte Album zieht. Ideen entstehen nicht im Studio allein: „Wir verbringen viel Zeit in der Natur, dort entstehen oft die ersten Ideen.“ Die Stücke wirken nicht konstruiert, sie sind gewachsen. Sequenzen erzählen Geschichten, bevor überhaupt ein Wort gesungen wird. Und doch bleibt alles reduziert, präzise, fast stoisch. „Die Elemente in unseren Songs sind klar gesetzt, reduziert vielleicht – aber gleichzeitig sehr emotional und kraftvoll.“
Der falsche Ton als Wahrheit
GÖRL funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Intuition schlägt Konvention. Was falsch klingt, kann genau richtig sein. „Der falsche Ton ist eigentlich der richtige“, sagen sie – und formulieren damit eine Haltung, die sich durch das gesamte Album zieht. Diese Musik will sich nicht einordnen lassen. Sie ist mechanisch und warm zugleich, kühl und zutiefst menschlich. Spuren aus Görls Vergangenheit blitzen auf, ohne jemals nostalgisch zu werden. „Man hört darin auch Spuren des alten Sounds, aber er entwickelt sich weiter“, erklären sie. Stillstand ist keine Option.
Jan Schütz (Meersein)
Line-up:
Sylvie Marks – Gesang, Electronics
Robert Görl – Gesang, Electronics
In Kürze führen wir unser Interview fort. GÖRL findest Du auch in unserer Mai/Juni-Ausgabe:

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