MISSIO im Interview (2/2)

Mit „Love & Heartbreak“ veröffentlichen Missio ihr sechstes Studioalbum. Schon allein die Entstehungsgeschichte ist interessant: Der Großteil der Aufnahmen entstand in verschiedenen Airbnb-Unterkünften auf der ganzen Welt. Matthew Brue und David Butler orientieren sich musikalisch an ihre Frühwerke, ohne diese zu kopieren. Heraus kommt ein cineastischer, weiträumiger Sound, der Dark-Pop-Elemente mit düsteren elektronischen Elementen vereint. Wir sprechen mit Matthew in unserem zweiteiligen Interview über Herzschmerz, eine Azteken-Todespfeife und vieles mehr. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, hier kannst Du ihn nachlesen.
Orkus: Das Album beginnt mit „Dreams“, einem sehr energiegeladenen Song. Wie ist dieser Track entstanden?
Matthew Brue: Ich habe die erste Version des Songs geschrieben und sie David geschickt. Ich erinnere mich noch, wie ich die Aufnahme hörte, bevor viele der Melodien überhaupt fertig waren, und dachte: „Das hat so eine coole Atmosphäre.“ Normalerweise kommen wir ziemlich schnell zum eigentlichen Song, aber was ich an diesem Stück besonders mag, ist das lange Intro. Es fühlt sich fast ein bisschen zu lang an – und genau das gefällt mir daran. Man kann erst einmal in diese Stimmung eintauchen, bevor die wunderschöne Gesangsmelodie der ersten Strophe einsetzt. Nach und nach haben wir den Song gemeinsam weiterentwickelt, und heute gehört er zu meinen Lieblingsstücken auf dem Album.
O: Siehst du „Dreams“ als Spiegelbild dafür, wie viele Liebesgeschichten beginnen – mit ein bisschen Träumerei?
MB: Absolut. Eine der wiederkehrenden Textzeilen lautet: „You give me something to believe in. You save my life and give me meaning. You make me feel like I am dreaming.“ Wenn man sich zum ersten Mal verliebt, fühlt sich das oft so überwältigend an, fast schon psychedelisch – als würde man träumen. Manchmal scheint es einfach zu schön, um wahr zu sein. Ich hoffe, jeder Mensch darf dieses Gefühl wenigstens einmal im Leben erleben.
O: Ein Song, der besonders heraussticht, ist „Bleed“. Kannst du erzählen, wie er entstanden ist?
MB: „Bleed“ wurde in Mexiko-Stadt geschrieben. Wir haben die Session immer wieder hin- und hergeschickt, und mit jeder Version wurde der Song besser. Ich glaube, das war der Titel, an dem wir am längsten gearbeitet haben, weil wir jedes Mal das Gefühl hatten, ihn noch ein kleines Stück verbessern zu können. Ich denke, wir haben fünf oder sechs verschiedene Refrains ausprobiert, bevor wir bei der endgültigen Version angekommen sind. Der Breakdown am Ende macht live inzwischen besonders viel Spaß, weil ich dabei eine Azteken-Todespfeife benutze. Wenn ich hineinpuste, klingt das einfach total verrückt!
O: „The Moment“ beschließt das Album. Warum war das für euch der richtige Song, um „Love & Heartbreak“ abzuschließen?
MB: Am Ende eines Zyklus aus Liebe und Herzschmerz kann man sich entscheiden: Entweder man wird verbittert, wütend und trägt den Schmerz über ein gebrochenes Herz mit sich herum – oder man wünscht dem anderen Menschen aufrichtig alles Gute für seinen weiteren Weg. Wahre Liebe bedeutet, dass man selbst dann möchte, dass der andere glücklich wird und all die Schönheit der Welt findet, auch wenn er oder sie keine gemeinsame Zukunft mehr mit einem sieht. „The Moment“ war deshalb der perfekte Abschlusssong, weil wir nach all dem Herzschmerz auf den Moment zurückblicken, in dem wir uns kennengelernt haben, und einfach dankbar für diese wunderschöne Erfahrung sind. Zu lieben und geliebt zu werden, ist eines der größten Geschenke im Leben – und wir werden das niemals als selbstverständlich ansehen.
O: Ihr kommt aus Texas. Wie würdest du die alternative Musikszene dort beschreiben? Was macht sie besonders?
MB: Um ehrlich zu sein gibt es dort keine besonders große elektronische oder alternative Szene – zumindest nicht in Austin, Texas, wo wir herkommen. Texas ist vor allem für Country-Musik und den Southern Hip-Hop aus Houston bekannt. Deshalb haben wir uns dort oft ein bisschen wie Außenseiter gefühlt. Das Schöne ist aber, dass die Musikszene insgesamt sehr eng verbunden ist. Obwohl es viele verschiedene Genres gibt, unterstützen sich die Musiker gegenseitig. Wir haben viele Freunde in der Country-Szene, und wir unterstützen sie genauso, wie wir unsere Freunde aus der alternativen Musik unterstützen.
O: Ihr habt bereits mehrfach in Deutschland gespielt und werdet bald wieder zurückkehren. Gibt es etwas an Deutschland, den Fans oder euren Erfahrungen hier, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
MB: Deutschland ist eines der großartigsten Länder der Welt. Unsere Lieblingsstädte sind Berlin und Köln. Der riesige gotische Dom in Köln ist ein absolutes Kunstwerk, das meiner Meinung nach jeder Mensch einmal gesehen haben sollte. Jedes Mal, wenn ich davorstehe, empfinde ich große Ehrfurcht vor der Geschichte und der handwerklichen Meisterleistung, die nötig waren, um ein so beeindruckendes Bauwerk zu erschaffen.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Sieh Dir das Video zu „Dreams“ an:
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